Der Beckenboden – was Sie über ihn wissen sollten!

Ein bedeutender Muskel mit entscheidender Funktion für die Regelung der Ausscheidung von Blase und DarmI! Er gilt als Mittelpunkt des Körpers, als Energiezentrum, als Ausgangspunkt von Bewegungen der Beine und der Wirbelsäule und als Kraftzentrum. Der gesunde Muskeltonus des Beckenbodens wirkt stärkend auf die Muskulatur des gesamten Rückens.

Warum heißt der Beckenboden so?

Die Pionierin in Sachen Beckenbodentraining und Inkontinenztherapie ist die Benita Cantieni. Sie beschreibt den Muskelteppich bildhalft als: “das wichtigste Zwischenstockwerk im Hochhaus Mensch”. Er stützt alle Organe des kleinen Beckens und den gesamten Rumpf. Er besteht aus drei Muskelschichten, die wie ein Trampolin zwischen Steißbein, Schambein sowie rechtem und linkem Sitzknochen gespannt sind. Eine Schwäche der Beckenbodenmuskulatur ist die häufigste Mitursache für Harninkontinenz.

Zusammen mit dem Zwerchfell und dem Mundboden bildet der Beckenboden eine stabilisierende dreistöckige Querverspannung des Körpers – alle drei Muskelplatten sind aufeinander ausgerichtet und wirken zusammen. Ist eines der drei Muskelplatten geschwächt – häufig ist es der Beckenboden – wirkt es sich auf die Gesamtstabilität des Körpers aus; viele Rückenbeschwerden rühren daher.

Das Zwerchfell ist der wichtigste Atemmuskel, der aber in enger Verbindung zum Beckenboden schwingt. Dehnt sich das Zwerchfell beim Einatmen aus, drückt es alle Bauchorgane nach unten gegen den Beckenboden, der sich dann parallel dazu nach unten senkt. So hat der Beckenboden eine direkte Verbindung auch zur Atmung. Beckenbodentraining ist daher immer auch Atemtraining.

Wo sitzt der Beckenboden?

Da das knöcherne Becken nach unten hin offen ist, schließt der “Beckenboden“ das knöcherne Becken nach unten ab. Der mehrlagige Verbund – 3 wesentliche Muskelschichten – von Muskulatur „trägt“ dabei die gesamten Organe des Bauch- und Beckenbereichs – Blase, Gebärmutter, Dickdarm, Dünndarm –   weich gepolstert und gut abgefedert. Bei einem Sprung oder einer Erschütterung, werden die Organe wie auf einem Trampolin abgefedert.

Bild: weiblicher Beckenboden (Seitenansicht)

  1. Die innere Muskelschicht erstreckt sich fächerartig vom Schambein über beide Seiten des Beckens bis zum Steiß- und Kreuzbein und füllt den gesamten inneren Beckenraum aus.
  2. Die mittlere Muskelschicht verspannt die beiden Sitzbeinhöcker und das Schambein in einer dreieckig angelegten Musekelschicht.
  3. Die äußere Muskelschicht des Beckenbodens verspannt das Schambein vorne mit dem Steißbein hinten. Sie verläuft wie eine Acht um die Körperöffnungen herum und bildet die „äußeren“ Schließmuskeln für Harnröhre und After.

Die Funktionen des Beckenbodens:

  1. Stabilität des Beckens und des gesamten Körpers: Die Muskelschichten im inneren des Beckenraumes stabilisieren nicht nur das knöcherne Becken. Sie haben eine direkte Beziehung zu den aufrichtenden Muskeln, wodurch sie für die gesamte Stabilität des Körpers eine unabdingbare Bedeutung haben. Sie machen eine zentrierte Bewegung erst möglich. Dafür sind drei übereinandergelegte Muskelschichten im Inneren des Beckens so verspannt, dass sie eine zentrierende Wirkung
  2. Beweglichkeit der Organe: Die innere Muskelschicht erstreckt sich fächerartig vom Schambein über beide Seiten des Beckens bis zum Steiß- und Kreuzbein und füllt den gesamten inneren Beckenraum aus. Diese Muskelschicht ist auch für die Kontrolle von Harn- oder Stuhlabgang zuständig und wird dabei vom autonomen Nervensystem (vom Willen unabhängig) gesteuert. Die Organe können in dieser Schale aus Muskulatur räumliche und strukturelle Veränderungen mitmachen: das Füllen und Leeren der Blase, die Bewegungen des Darms und die Entwicklung einer Schwangerschaft.
  3. Schließmuskeln von Harnblase und After: Die äußere Muskelschicht des Beckenbodens, die wie eine Acht um die Körperöffnungen herum verläuft und die „äußeren“ Schließmuskeln für Harnröhre und After bildet, kann wie die Skelettmuskulatur (somatisches Nervensystem) bewusst angesteuert werden. So können Harn und Stuhlausscheidung aktiv angehalten werden, jedoch nur solange der Druck von innen nicht zu hoch wird. Dann steuert das unwillkürliche Nervensystem die Ausscheidung auch gegen den bewussten Willen – wir können also eine Ausscheidung nicht komplett verhindern.
  4. Anspannen: Der Beckenboden muss schnell reagieren und einem plötzlich auftretenden Druck standhalten, z.B. durch Husten oder Niesen, Springen oder schwer Tragen…. Der Beckenboden sorgt dadurch dafür, dass die Organe des Bauch- und Beckenraums oder ein sich entwickelndes Embryo jederzeit weich gebettet ist und keinen harten Schläge ausgesetzt wird.
  5. Entspannen: Für die Entleerung von Blase und Darm muss der Beckenboden die äußeren und die inneren Schließmuskeln entspannen. Dafür werden die äußeren und inneren Schließmuskeln von verschiedenen Teilen des Nervensystems gesteuert. Die äußeren Schließmuskeln unterliegen unserer bewussten Kontrolle (somatisches Nervensystem) – wir können den Harnstrahl/Stuhlgang bewusst steuern! Die inneren Schließmuskeln (glatte Muskulatur) unterliegen dem autonomen Nervensystem – der Harndrang (und Stuhldrang) wird ohne unser bewusstes Zutun gesteuert. Zwischen beiden Schließmuskel-System besteht ein enger Zusammenhang.

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Bettnässen – Ein tabuisiertes Leiden bei Erwachsenen

Das Bett ist nass: Enuresis heißt das Symptom

Bettnässen kommt auch bei Kindern über 5 Jahren noch einigermaßen häufig vor. Aber auch Erwachsene leiden sehr unter diesem Problem.

Entwicklungsverzögerung bei Kindern?

Manchmal steckt bei Kindern eine einfache Entwicklungsverzögerung oder eine zu geringe Blasenkapazität dahinter, die sich bald wieder “herauswächst”. Bei Erwachsenen liegt die Ursache oft noch eher im Dunkeln und muss sorgfältig diagnostiziert werden. Aber das Aufwachen in einem nassen Bett ist weder für Kinder noch für Erwachsene angenehm.

Belastungsprobe Bettnässen

Unter Bettnässen leiden die Betroffenen häufig sehr stark und erleben eine deutliche Schwächung Ihres Selbstbildes. Auch für Partnerschaft und Sexualität stellt nächtliches Einnässen eine große Belastungsprobe dar.

Bettnässen : Hilfsmittel nicht in jedem Fall Kassenleistung

Wenn Betroffene Nacht für Nacht eine Inkontinenz-Vorlage tragen müssen, kommen zu den psychischen Belastungen auch noch hohe Ausgaben für die Inkontinenz-Versorgung hinzu. Denn diese Hilfsmittel werden nicht in jedem Fall von der Krankenkasse erstattet.

Genaue Ursachenforschung betreiben

Um Betroffenen wirksame Hilfe anzubieten, ist es wichtig, die genauen Ursachen für das nächtliche Einnässen zu finden. Betroffene sollten darin bestärkt werden, alle medizinischen Möglichkeiten zur Diagnostik auszuschöpfen.

Die Sache mit der Psyche

Eine psychosomatische Komponente kann auch in Betracht kommen, sollte jedoch erst nach genauer Ursachenforschung in Erwägung gezogen werden. Die körperlich bedingten Ursachen überwiegen bei der Symptomatik des nächtlichen Einnässens deutlich. Je nach Erkrankungslage sollte eine psychosomatische Diagnose nur nach genauer medizinischer Ausschluss-Untersuchung getroffen werden. Unabhängig von der Ursachenforschung ist eine psychische Begleitung des Patienten zur Bewältigung der belastenden Situation jedoch sinnvoll und sollte allen Betroffenen angeboten werden.

Zu tiefer Schlaf

Bei Erwachsenen können verschiedene Ursachen für das nächtliche Einnässen in Frage kommen: Einer der Gründe kann ein zu tiefer Schlaf sein, durch den die Betroffenen bei aufkommenden Harndrang nicht mehr rechtzeitig wach werden. Hier sollte auch der abendliche Genuss von Alkohol kritisch hinterfragt und evtl. vorübergehend eingestellt werden, um einen Zusammenhang herauszufinden.

Nächtliches Einnässen: Hormonmangel ADH

Die aktuellsten Hypothesen besagen, dass bei vielen Betroffenen das sogenannte antidiuretische Hormon (ADH) nicht (mehr) in ausreichendem Maße gebildet wird. ADH hat u.a.die Aufgabe, die Harnproduktion während des Schlafes zu drosseln. Bei älteren Patienten mit nächtlichem Einnässen und bei Schlaganfallpatienten kann mit einer medikamentösen Therapie eine schnelle Besserung erzielt werden. Allerdings können die Medikamente eine Reihe unangenehmer Nebenwirkungen zufolge haben.

Enuresis und die überaktive Blase

Auch eine überaktive Blase kann für das nächtliche Einnässen bei Erwachsenen in Frage kommen. Während Betroffene mit einer überaktiven Blase ihre Harnabgänge bei Tag noch kontrollieren können, ist dies dagegen nachts, während des Schlafens, nur noch in bedingtem Maße möglich. Dadurch wird das Signal “Blase voll” zu früh an das Gehirn geleitet. Während der Betroffene in der Nacht tief schläft, kann es dann zum nächtlichen Einnässen kommen.

Das Schlafapnoe-Syndrom und Enuresis

Zusätzlich wird ein Zusammenhang zwischen Enuresis und dem Schlafapnoe-Syndrom vermutet.

Wenden Sie sich an Ihren Urologen

Während sich bei Kindern das Problem des Bettnässens mit steigendem Alter oft von selbst erledigt, ist dies bei Erwachsenen eher selten der Fall. Deshalb sollten Sie sich unbedingt von einem Urologen untersuchen lassen. Dieser sollte die möglichen Ursachen des Problems eingrenzen und Ihnen entsprechende Therapiemaßnahmen vorschlagen. Er kann Ihnen beispielsweise Medikamente verschreiben, die die nächtliche Urinproduktion reduzieren oder die Blasenkapazität steigern.

Beachten Sie bitte in diesem Zusammenhang, dass eine genaue Diagnose bzw. das Einleiten erfolgreicher Therapiemaßnahmen nur durch einen entsprechenden Facharzt vorgenommen werden kann!

Quelle: Deutsche Inkontinenz Gesellschaft e.V., Band 8. Bamberger Gespräche 2004: Nykturie und Harninkontinenz.

Kontinenz und Miktion (Wasserlassen) – Harndrang ist Nervensache

Ist die Blase gefüllt, kommt es zu einem Nervenreiz, der als Harndrang wahrgenommen wird. Jetzt ist noch Zeit, eine Tätigkeit zu Ende zu führen. Ein Gespräch oder die Einkaufsrunde in der Stadt können in Ruhe abgeschlossen werden, der Harndrang kann noch zurückgestellt werden, dann aber muss es sein: eine Toilette muss her. Weiterlesen