Inkontinenz beim Mann: Seltener, doch sehr belastend Drucken E-Mail
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Geschrieben von: W.Juengst, Marie Hediger   
Donnerstag, den 26. Januar 2012 um 08:59 Uhr

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Männer haben einen stabileren Beckenboden

 

 
Männer sind, vor allem in jüngeren Jahren, wesentlich seltener als Frauen von Inkontinenz betroffen.

Die entscheidende Struktur, die für den sicheren Verschluss der Harnblase zuständig ist, ist der Beckenboden. Denn Muskelstränge des Beckenbodens bilden an der Harnröhre den Schließmuskel. Der Beckenboden ist beim Mann kräftiger ausgebildet, als bei der Frau und zudem noch seltener von Verletzungen bedroht - dies macht auch Schließmechanismus der Harnröhre stark und sicher.

 


 

 

Männer holen auf: Prostatahyperplasie und Dranginkontinenz

 

Mit höhrerem Alter steigt allerdings auch bei Männern das Inkontinenz-Risiko deutlich an. Aktuellen Studien zufolge befinden sich bereits unter den derzeit etwa fünf Millionen Betroffenen im Bundesgebiet rund 1,5 Millionen Männer. Dabei stehen beim Mann vor allem zwei Erscheinungsformen von Blasenschwäche im Vordergrund: erstens - Komplikationen aufgrund von Entleerungsstörungen durch Prostatahyperplasie und zweitens - Speicherstörungen häufig in Form einer Dranginkontinenz aufgrund von Erkrankungen, und Operationen. Leider gehört die Inkontinenz auch zu den häufigsten Nebenwirkungen von Prostataoperationen und Krebsbehandlungen. 



Wenn die Harnröhre eng wird: Bei ersten Symptomen zum Arzt

Die Blasenentleerung wird zum Problem, wenn die Prostata, die sogenannte Vorsteherdrüse, sich gutartig vergrößert (Prostatahyperplasie). Im Anfangsstadium der Erkrankung drückt die vergrößerte Prostata auf die Harnröhre und erschwert das "Auslaufenlassen" der Harnblase. Inkontinenz entsteht erst als Spätfolge einer Prostatahyperplasie, ist aber dann umso schwerwiegender und belastender. Daher ist es notwendig zu handeln und mit einem Urologen das therapeutische Vorgehen zu besprechen.

 


Spätfolge Prostatahyperplasie: Überlaufinkontinenz, Dranginkontinenz und Restharn

 

 

  1. Wenn die Blase sich nicht mehr vollständig leert entsteht ein permanenter hoher Innendruck.  Dagegen wird der Schließmuskel später müde und es kommt zu einem ständigen „Tröpfeln“ aus der Blase, der sogenannten Überlaufinkontinenz.
  2. Außerdem wird die Nervensteuerung der Blasenentleerung überfordert. Eine Dranginkontinenz kann die Folge sein.
  3. Der in der Blase verbleibende Restharn kann vermehrt zu Blasenentzündungen führen und die Blasenmuskulatur weiter überdehnen.
  4. Am Schluss entsteht eine Detrusorschwäche, die so schnell so weit geht, dass die Blase nicht mehr eigenständig entleert werden kann. Die Entleerung muss dann nur noch mit Hilfe eines Katheters (intermittierende Selbstkatheterisierung) erfolgen. Eine sehr häufige Spätfolge bei Männern mit großer Einschränkung der Lebensqualiät.

 

 


Prostatakrebs: Therapien mit schweren Folgen: Inkontinenz und Impotenz


Neben der gutartigen Vergrößerung der Prostata gibt es auch bösartige Prostata-Erkrankungen. Die Wahrscheinlichkeit, daran zu erkranken nimmt jenseits des 50. Lebensjahres linear zu. Allerdings ist die Überlebensrate bei Prostatakrebs sehr hoch, so dass in Fachkreisen diskutiert wird, wie eine Behandlung für Krebs möglichst schonend durchgeführt werden kann. Denn Inkontintinenz und Impotenz sind mögliche und häufige Nebenwirkungen diverser Therapien und Operationen an Prostata und Blase. Diese Folgeerkrankungen können in der Konsequenz viel schlimmer sein, als die Auswirkungen der Krebserkrankung selbst.

 

 

Blasenkrebs: Ersatzblase ist  bittere Spätfolge


Eine andere Krebserkrankung des Urogenitalsystems ist der Blasenkrebs. Auch diese Erkrankung kann als typische Männerkrankheit angesehen werden, denn die Häufigkeit ist bei Männern eher dreimal so hoch wie bei Frauen. Das wichtigste Hinweiszeichen auf einen möglichen Blasenkrebs ist die schmerzlose Beimengung von Blut im Urin. Diese muss unbedingt ernst genommen und ärztlich abgeklärt werden. Sobald die Blasenwand vom Krebs befallen ist, ist eine Operation notwendig, bei der ein Teil der Blase oder die komplette Blase entfernt wird. Eine Ersatzblase kann die normale Blasenfunktion häufig nur teilweise ersetzten. Häufig wird allerdings der Harn über Beutel abgeleitet und aufgesammelt. In allen Stadien einer Krebs-Behandlung kann Inkontinenz eine unangenehme Begleiterscheinung sein.

 

 

 


Der Drang wird größer: Reizblase und überaktive Blase

 
Die zweite typische Blasenstörung beim Mann im höhren Alter äußert sich als typische Harn-Speicherstörung. Die Blase büßt ihre normale Speicherfunktion ein und meldet sich vermehrt oder/und viel zu früh. Darunter fallen Erscheinungsformen von der überaktiven Blase (OAB) die als Vorrstufe für Inkontinenz gilt bis zur nächtlichen Inkontinenz ( Enuresis). Die Ursachen sind häufig nicht klar diagnostizierbar. Allerdings gehen sie oft auch einher mit einer größeren allgemeinen Krankheitsanfälligkeit, mit Diabetes, Herzerkrankungen oder Stoffwechselerkrankungen. Außerdem können neurologische Erkrankungen, Schlaganfall, Demenz oder sonstige Erkrankungen zu Dranginkontinenz führen. Die typischen Symptome sind:

  • Pollakisurie - vermehrtes Wasserlassen
  • Nykturie: charakterisiert durch Unterbrechung des nächtlichen Schlafes zur Blasenentleerung
  • Imperativer Harndrang: plötzliches Auftreten eines starken Harndrangs, der nur schwer beherrscht werden kann
  • Harninkontinenz: jeglicher unfreiwilliger Harnverlust
  • Enuresis: unfreiwilliger Harnverlust in Zusammenhang mit imperativen Harndrang während des Schlafes



 

Inkontinenz erhöht Depressions-Risiko beim Mann


Untersuchungen zur Lebensqualität Inkontinenz-Betroffener zeigen jedoch, dass Männer in der Regel stärker unter ihrer Inkontinenz leiden als Frauen. Mehrere Studien belegen einen starken Zusammenhang zwischen Depressionen und Dranginkontinenz. Da diese Inkontinenzform bei Männern stark überwiegt, ist es verständlich, dass inkontinente Männer ein deutlich höheres Depressions-Aufkommen haben. Möglich ist auch, dass das Selbstbild von Männlichkeit durch das Symptom Inkontinenz stärker gestört wird, weil es z.B. nicht ihrer Vorstellung entspricht, ähnlich wie Frauen plötzlich Binden bzw. Vorlagen benutzen zu müssen.

 

Quellen:


1. Robert Koch Institut - Statistisches Bundesamt: Heft 39 Harninkontinenz. Gesundheitsberichterstattung des Bundes.

2. Robert Koch Institut - Statistisches Bundesamt: Heft 36 Prostataerkrankungen. Gesundheitsberichterstattung des Bundes. 

Beachten Sie bitte in diesem Zusammenhang, dass eine genaue Diagnose bzw. das Einleiten erfolgreicher Therapiemaßnahmen nur durch einen entsprechenden Facharzt vorgenommen werden kann!


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