Inkontinenz bei querschnittsgelähmten Menschen Drucken E-Mail
(3 Bewertungen, Durchschnitt 3.00 von 5)
Geschrieben von: W.Juengst   
Montag, den 02. April 2012 um 09:07 Uhr

behinderung_u_inkontinenz
Querschnittslähmung führt oft zu Inkontinenz


Querschnittslähmungen führen in erster Linie zu Funktionsstörung bei der Feinsteuerung bei der Blasenentleerung, aufgrund von Störungen des im unteren Rückenmark sitzenden Blasenzentrums. Häufig führen diese Störungen zu einer Blasenlähmung.

Bei einer traumatischen Schädigung des Rückenmarks z.B.durch Unfälle ist daher auch immer mit einer Funktionsstörung der  Blasenfunktion zu rechnen, die vom so empfindlichen Nervensystem gesteuert wird. Lediglich das Ausmaß der Funktionsstörungen variiert sehr. Es ist abhängig von den geschädigten Rückenmarksstrukturen und den beteiligten Nervenbahnen, aber unabhängig von der Ursache. Die beiden häufigsten Formen der Blasenlähmung und daraus resultierenden Inkontinenz bei Querschnittslähmungen, der Para- und Tetraplegie, sind die „schlaffe Blase" und die „spastische Blase" mit einer Reflexinkontinenz.



Die schlaffe Blase: Schädigung des unteren Blasenzentrums


Wenn die Schädigung im Rückenmark im Bereich des unteren Blasenzentrums liegt, kommt es in der Regel zu einer schlaffen Blase. Schlaffe Blasen haben meist ein großes Fassungsvermögen. Damit keine Überdehnung stattfindet, sollten Betroffene spätestens alle 4 Stunden die Blase mit einem Katheter entleeren. Manche Menschen mit einer schlaffen Blase haben einen sehr geringen Blasenanstoßwiderstand und schaffen es allein durch Drücken auf die Blase, den Urin herauszupressen.



Vermeidung von Restharn: die intermittierende Selbstkatheterisierung


Es kann allerdings zu schwerwiegenden urologischen Komplikationen führen, wenn die Blase nicht vollständig entleert wird. Daher ist unbedingt anzuraten, dass die Betroffenen lernen, sich selbst regelmäßig zu katheterisieren und die Blase vollständig zu entleeren. Im Restharn können sich Bakterien vermehren und zu einer Blasenentzündung führen. Wenn die Bakterien sich ausbreiten, kann es zu schweren Infektionen der Prostata und der Nieren kommen.



Die spastische Blase: unteres Blasenzentrum nicht betroffen


Sofern die Schädigung des Rückenmarks nicht das Blasenzentrum betrifft, kommt es eher zu einer spastischen Blase. Die Meldung über den Füllstand der Blase kommt zwar im unteren Blasenzentrum noch an, kann dann aber nicht mehr weitergeleitet werden kann. Auch ist diese erste Meldung häufig schon fehlerhaft und erfolgt zu früh und zu oft. Es kann dann zu einer reflektorischen, also spastischen und damit unwillkürlichen und oft unbemerkten Auslösung der Blasenentleerung kommen, zur Inkontinenz.



Ausgeglichene Reflexblase


Im günstigsten Fall füllt sich die Blase recht gut, der Blaseninnendruck steigt dabei nur mäßig an und es kommt zu einer Reflexaktiviät. Diese führt einige Male innerhalb von 24 Stunden zur nahezu restharnfreien Entleerung. In diesem Fall spricht man von einer „ausgeglichenen Reflexblase". Dieser günstige Fall kann und muss dadurch verbessert werden, dass der Betroffene den Reflex durch Blasentraining und durch so genanntes Triggern und Klopfen selbst auslöst und damit den Zeitpunkt der Blasenentleerung willentlich bestimmt. Leider kommt die ausgeglichene Reflexblase eher weniger oft vor. Weit häufiger ist die „nicht ausgeglichene Reflexblase".

 


Komplikationen einer Blasenlähmung


Grundsätzlich gilt, dass jede Störung der Steuerung der Harnblase zu schweren anatomischen Veränderungen der Harnwege führen kann, zu Restharnbildung bis hin zum Verlust der Nierenfunktion. Dies erklärt sich dadurch, dass Blasenmuskel und Schließmuskel häufig nicht korrekt zusammenarbeiten. Blasenlähmung bedeutet lebenslange Nachsorge und sorgsames Umgehen mit der kontrollierten Blasenentleerung.


Beachten Sie bitte in diesem Zusammenhang, dass eine genaue Diagnose bzw. das Einleiten erfolgreicher Therapiemaßnahmen nur durch einen entsprechenden Facharzt vorgenommen werden kann!


Quelle: Gesundheitsberichterstattung des Bundes: Harninkontinenz Heft 39, Herausgeber: Robert Koch Institut 2007 (Statistisches Bundesamt)



Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Reflexinkontinenz - Äußerst seltene Form der Harinkontinenz

Stuhlgang, Blähungen und Inkontinenz

Pflegende Angehörige - Was kommt auf Sie zu?

Kommentare

Name *
E-Mail (für Bestätigungen & Antworten)
URL
Code   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Kommentar abschicken