Harninkontinenz bei Kindern und Jugendlichen
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Geschrieben von: W.Juengst   
Donnerstag, den 18. Juli 2013 um 09:01 Uhr

 

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Harninkontinenz: Nicht nur im Alter ein Problem

Harninkontinenz ist nicht nur eine Erscheinung, die sich im hohen Alter einstellt, von einer Blasenschwäche können auch durchaus Kinder und Jugendliche betroffen sein.

 

 

 

Wenn ein fünfjähriges Kind öfters in die Hose oder ins Bett macht, sollten die genauen Ursachen dafür geklärt werden. Ist die genaue Ursache geklärt, kann auch eine entsprechende Therapie eingeleitet werden.

 

 

Ursachen für kindliche Harninkontinenz

 

Als mögliche Hauptursachen für die kindliche Inkontinenz werden vor allem körperliche und neurologische Auffälligkeiten sowie Anomalien des Harntraktes angesehen. Dazu zählen:



Überaktive Blase


Bis zum Alter von 5 Jahren sollte die Fähigkeit zur Blasen- und Stuhlkontrolle ausgereift sein. Trotzdem können in dieser Entwicklungsphase Probleme bei der Blasensteuerung auftreten. Wenn ein Kind bereits trocken war und dann wieder anfängt einzunässen kann die Ursache psychischer Natur sein - bei der Geburt eines Geschwisterkindes eine häufige Beobachtung - ihr kann allerdings auch eine organische Ursache zugrunde liegen, die ärztlich abgeklärt werden sollten. So ist es möglich, dass eine einfachen Harnwegsinfektionen vorliegt oder Entzündungen der Blase und/oder des Harnleiters.



Blasenentleerungsstörungen


Blasenentleerungsstörungen können organische oder auch nur funktionelle Ursachen haben. Sie werden beispielsweise durch Verengungen der Harnröhre oder des Harnröhrenausgangs verursacht. Die Folgen daraus sind zumeist ein abgeschwächter Harnstrahl, abgehaktes Wasserlassen, sowie ein notwendiges Pressen mit oft nur unvollständiger Blasenentleerung. Manchmal steht auch eine funktionelle Störung hinter einer unkontrollierbaren Blasenentleerung. Eine solche funktionelle Störung hat oftmals seine Ursache in einem zu frühen bzw. zu rigorosen Toilettentraining. Dadurch kneift das Kind den Beckenboden bewusst zusammen, um das Einnässen und die damit verbundene Scham zu verhindern. Die starke Anspannung des Beckenbodens kann zu einer Degeneration der Beckenbodenmuskulatur  und langfristigen Spätschäden führen.



Lazy Bladder Syndrom


Das Einnässen beim Kind kann auch daraus resultieren, dass Kinder über Jahre vermeiden rechtzeitig auf die Toilette zu gehen und dadurch die Blase meist zu spät entleert wurde. Beim sogenannten „Lazy Bladder Syndrom", das vor allem bei Mädchen auftritt, verlieren Kinder zunächst das Gefühl dafür, wann ihre Blase tatsächlich voll ist. Dadurch kommt es schließlich zu einer chronischen Überdehnung der Blase und ebenfalls zu einer Degeneration der Blasenmuskulatur. Unkontrollierte Harnabgänge - in Kombination mit einer hohen Restharnbildung - sind die Folge daraus.

Daneben können auch angeborene neurogene Erkrankungen wie Spina bifida oder tumoröse und entzündliche Erkrankungen des Nervensystems zu einer Harninkontinenz beim Kind beitragen.



Anatomische Fehlbildungen


Einnässen kann - insbesondere bei Mädchen - mit Doppelbildungen der Niere und durch Fehlmündungen des Harnleiters zusammenhängen. Eine solche anatomische Fehlbildung äußert sich vor allem durch ein permanentes Herauströpfeln des Urins aus der Blase.



Beachten Sie bitte in diesem Zusammenhang, dass eine genaue Diagnose bzw. das Einleiten erfolgreicher Therapiemaßnahmen nur durch einen entsprechenden Facharzt vorgenommen werden kann!

Quellen:

1. Gesundheitsberichterstattung des Bundes: Harninkontinenz Heft 39, Herausgeber: Robert Koch Institut 2007 (Statistisches Bundesamt)

2. Deutsche Inkontinenz Gesellschaft e.V., Broschüre: Einnässen beim Kind.


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