Harninkontinenz – Wann Sie zum Arzt gehen sollten

Noch immer stellt Inkontinenz für viele Menschen ein absolutes Tabu-Thema dar. Viele der Betroffenen gehen daher nicht zum Arzt. Sie schämen sich und fürchten sich vor den anstehenden Untersuchungen. Diese Angst ist jedoch absolut unbegründet, weil die angewandten Untersuchungsmethoden weitgehend schmerzfrei und ohne Komplikationen vonstatten gehen.

Störungen der Harnblasenfunktion können mittlerweile erheblich gelindert oder sogar vollständig geheilt werden. Für den Arzt gehört die Diagnose Inkontinenz zum normalen Alltag. Die Heilungschancen erhöhen sich, je besser informiert die Patienten sind und je früher sie gezielte Maßnahmen ergreifen.

Fünf wirklich gute Gründe zum Arzt zu gehen:

Schon leichte Harninkontinenz ist gut therapierbar! Je früher geeignete therapeutische Maßnahmen eingeleitet werden, desto schneller ist das Problem behoben!

  1. Mit der richtigen Therapie können langfristige schwerwiegende körperliche Folgen verhindert werden!
  2. Zum Arzt gehen bedeutet, sich dem Problem stellen und Verschlimmerungen vermeiden.
  3. Zum Arzt gehen bedeutet Kosten sparen: Ein Teil der Kosten für die notwendigen Hilfsmittel werden in der Regel von den Krankenkassen übernommen.
  4. Schon leichte Harninkontinenz ist gut therapierbar! Der Verlust von Harn ist in jedem Alter ein Zeichen für eine gesundheitliche Störung!
  5. Je früher die Ursache und eine geeignete therapeutische Maßnahme gefunden wird, desto schneller ist das Problem behoben.

Die Untersuchung bei Ihrem Hausarzt

Im Regelfall werden Sie zunächst einmal Ihren Hausarzt aufsuchen, bevor Sie einen Facharzt oder einen Urologen konsultieren. Der Hausarzt wird als erstes Ihre Krankheitsgeschichte aufzeichnen und Sie nach anderen Erkrankungen fragen. Meist orientiert sich der Arzt in diesem Zusammenhang auch an einem Inkontinenzfragebogen, bei dem er Vorerkrankungen wie Herzinsuffizienz, Diabetes mellitus oder Schilddrüsenerkrankungen abfragt, was eine Diagnosestellung vereinfachen kann. Dabei wird er besonderes Augenmerk darauf richten, ob möglicherweise bestimmte Medikamente (z. B. Beruhigungsmittel und Antidepressiva) oder Substanzen (z. B. Koffein, Alkohol, Drogen) zusätzlich das Auftreten einer Inkontinenz verstärken oder sogar erst hervorrufen.

Auch ein Miktionsprotokoll kann Aufschluss geben

Möglicherweise wird Ihnen Ihr Hausarzt auch empfehlen, über einen Zeitraum von 3 bis 14 Tagen ein so genanntes Miktionstagebuch zu führen. In diesem Protokoll tragen Sie ein, wie viel Sie getrunken haben, wann Sie Harndrang verspürten, wie oft und wann Sie die Toilette besucht haben und ob Inkontinenz auftritt. Anhand dieser Angaben kann der Arzt dann eventuell Rückschlüsse auf ungünstige Trink- oder Toilettengewohnheiten oder andere Verhaltensmuster ziehen, die für Ihre Sypmtome verantwortlich sein könnten. Ein Miktionsprotokoll hilft auch dem Patienten selbst oder Angehörigen, das Auftreten der Inkontinenz zu verstehen.

Die Urinuntersuchung

Da eine Harninkontinenz auch häufig auf eine Reizung der Blase oder auf eine Blasenentzündung zurückgehen kann, wird ihr Hausarzt Sie auch um die Abgabe einer Urinprobe bitten. Diese wird anschließend im Labor auf mögliche Krankheitserreger untersucht. Sollte sich hieraus ein positiver Befund ergeben, wie beispielsweise eine bakterielle Infektion, wird er Ihnen anschließend ein Antibiotikum verschreiben, das die Erreger abtötet.

Ultraschall-Untersuchung beim Hausarzt

Sollte Ihr Hausarzt über ein Ultraschallgerät verfügen, wird er bei Ihnen auch höchstwahrscheinlich eine Sonographie vornehmen. Vor dieser Ultraschalluntersuchung wird er Sie vermutlich darum bitten, Ihre Blase zu entleeren. Nach der erfolgten Untersuchung kann dann Ihr Arzt anhand des Ultraschallbildes feststellen, ob sich bei Ihnen nach dem Wasserlassen noch Urin (sogenannter Restharn) in Ihrer Blase befindet. Dies kann dann der Fall sein, wenn sich Ihr Blasenmuskel nicht vollständig zusammenzieht. Möglich ist in diesem Zusammenhang auch, dass ein Fremdkörper oder ein Prostataadenom den Ausfluss des Urins behindert. 

Die körperliche Untersuchung

Eine körperliche Untersuchung wird in vielen Fällen erst nötig werden, wenn die Ergebnisse der Erstuntersuchung noch keinen Hinweis auf mögliche Ursachen ergeben. Für diese körperliche Untersuchung wird der Arzt Sie vermutlich darum bitten, den Unterleib freizumachen. Der Arzt untersucht den Geschlechtsbereich und wird in manchen Fällen den Mastdarm austasten, was jedoch nicht schmerzhaft ist.

Die Überweisung zum Urologen

Nur bei unklarem Erstbefund kann es sein, dass Ihr Hausarzt Sie nach der erfolgten Untersuchung an einen Urologen überweist, da diesem wesentlich mehr Möglichkeiten zur Diagnosefindung zur Verfügung stehen. Dieser wird dann höchstwahrscheinlich bei Ihnen eine sogenannte urodynamische Untersuchung vornehmen. Bei dieser Form der Untersuchung wird vom Urologen überprüft, inwieweit die Harnblase ihrer Speicherfunktion noch gerecht werden kann bzw. ob die Blasenmuskulatur und der Verschluss der Harnröhre noch völlig intakt sind. Eine dieser Untersuchungen beinhaltet ein sogenanntes Urethra- oder auch Harnröhren-Druckprofil.

Wie läuft eine urodynamische Untersuchung ab?

Bei einer urodynamischen Untersuchung wird ein dünner Spezial- Katheter in die entleerte Blase eingeführt und anschließend der Druck in Blase und Harnröhre gemessen. Im Anschluss wird die Blase über den Katheter mit einer körperwarmen Flüssigkeit gefüllt. Währenddessen überprüft der Urologe, ab welchem Füllstand der Blase Sie Harndrang verspüren. Der Arzt misst Ihren Blasendruck und kann unter anderem auch plötzlich auftretende, ungesteuerte Kontraktionen des Blasenmuskels registrieren.

Urodynamische Untersuchung zur Abklärung einer Belastungsinkontinenz

Um Rückschlüsse auf eine eventuell vorliegende Belastungsinkontinenz zu gewinnen, fordert der Urologe Sie möglicherweise während der Untersuchung dazu auf, den Druck in der Bauchhöhle – beispielsweise durch Husten – zu erhöhen. Geht in diesem Moment Harn ab, kann mittels der Sensoren festgestellt werden, ob der Druck in der Harnröhre zu diesem Zeitpunkt geringer ist als der Blaseninnendruck, was auf einen unzureichenden Verschluss der Harnröhre hindeutet. Durch das allmähliche Zurückziehen des Katheters, wird einerseits an verschiedenen Stellen der Harnröhre der Druck gemessen, andererseits kann so ein Druckprofil der Harnröhre erstellt werden. Das Einführen eines Katheters wird durch ein Gleitmittel erleichtert. Die Schleimhautoberfläche der Harnröhre wird dadurch auch leicht betäubt. Somit ist diese Untersuchungsmethode zwar unangenehm, aber mit keinerlei Schmerzen verbunden.

Beim Urologen: Elektromyographie, Uroflowmetrie, Zystographie

Je nach Erstbefund und erst bei einer schwereren Inkontinenz kommt auch häufig eine sogenannte Elektromyographie zum Einsatz. Dabei werden die elektrischen Ströme der Beckenbodenmuskulatur bei Bewegung der Muskeln gemessen. Durch diese Untersuchung kann festgestellt werden, ob die Beckenbodenmuskulatur die Harnröhre ordnungsgemäß verschließen kann. Weiterhin kann der Urologe als Untersuchungsmethode auf eine sogenannte Uroflowmetrie zurückgreifen. Dabei muss der Patient seine Blase auf einer speziellen Toilette entleeren, wobei während der Harnentleerung gemessen wird, wie viel Urin innerhalb welcher Zeit ausgeschieden wird. Mit dieser Untersuchung kann somit festgestellt werden, ob die Blasenmuskulatur normal funktioniert. Auch eine Röntgenuntersuchung der Blase kommt als mögliche Untersuchungsmethode in Frage. Die Blase wird möglicherweise über einen Katheter mit einer Flüssigkeit gefüllt, die ein Kontrastmittel enthält. Dies ist notwendig, um auf dem Röntgenbild etwas erkennen zu können. Die Füllungsstadien der Blase werden durch Röntgenbilder dokumentiert oder auf einem Bildschirm beobachtet. Dabei kann festgestellt werden, wie die Blase auf die Füllung reagiert. Diese Untersuchung bezeichnet man als Zystographie.

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