| Wenn Inkontinenz auf der Seele lastet |
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| Geschrieben von: Marie Hediger |
| Dienstag, den 18. Mai 2010 um 08:59 Uhr |
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Die Kontrolle über die Harn- und Stuhlausscheidung zu verlieren belastet das eigene Selbstbild und stellt die soziale Situation der Betroffenen auf eine harte Belastungsprobe. So nagen die verschiedenen Auswirkungen der Inkontinenz hart an der Lebensqualität der Betroffenen. Wenn Inkontinenz der Auslöser für seelisches Leiden ist
Egal welche Ursache zu Inkontinenz geführt hat, es macht den Menschen und seine Seele unglücklich, wenn er von plötzlichem Urinverlust geplagt ist. Die Gewinnung der Kontinenz in der Kindheit ist ein elementarer Reifungsschritt und daher kann ihr Verlust im späteren Alter eine unbewusste, beschämenden Erfahrung sein. Die Belastungen durch den Kontrollverlust über die eigenen Ausscheidungen müssen in jeder Altersstufe und bezogen auf jede Grunderkrankung ernst genommen werden. Wenn die körperlichen Ursachen eindeutig diagnostiziert werden konnten, ist der zweite Schritt zur Bewältigung und oder wenn möglich zur Heilung der Inkontinenz die Bewältigung der seelischen Auswirkungen. Inkontinenz ist häufig mit Depressionen verknüpft
Der Zusammenhang von Inkontinenz und Depressionen wurde mehrfach wissenschaftlich bestätigt. Für den ärztlichen Umgang mit inkontinenten Patienten ist dieses Tatsache sehr wichtig. Der Arzt sollte daher auf jeden Fall seine Diagnostik auf den Frage nach einer Depression ausweiten und dem Patienten darin entgegen kommen. Denn der eine kann seine Sorgen einem Arzt erzählen, wo der andere sich mit Schamgefühlen konfrontiert sieht, sich anstattdessen sozial immer mehr zurückzieht und sogar in tiefe Frustration versinkt. Der eine geht die Inkontinenz offen an, versteckt aber möglicherweise eine vorhandene Depression und sieht sich so dem Leiden der Inkontinz weiterhin stark ausgesetzt. Die Behandlung der Depression kann dann ein erster Schritt zur Bewältigung der Inkontinenz sein.
Multiple Sklerose (MS): Lösungsmöglichkeiten sehen
Störungen der Blase, des Darmes und Probleme in der Sexualität gehören zu den häufigsten Symptomen der MS überhaupt. Die Ursachen können unterschiedlich sein, doch sie beeinträchtigen in allen Stadien die Lebensqualität enorm. Die Erfahrungen in der Betreuung von MS-Patienten zeigen, dass viele MS-Patienten die Einschränkungen durch Blasenschwäche belastender empfinden, als ihre körperlichen Behinderungen. Hier wird die tiefe psychische Bedeutung der Blasenkontrolle offensichtlich. Der Verlust der Blasenkontrolle drückt stärker auf Seele und verdeckt möglicherweise den Blick auf die Lösungsmöglichkeiten.
Hemmungen überwinden - Initiative ergreifen
Ähnlich kann es denjenigen ergehen, die mit direkten körperlichen Auswirkungen von Erkrankung fertig werden müssen. Bandscheibenvorfall oder Veränderungen der Position der inneren Organe, wie einer Gebärmuttersenkung oder einer sogenannten „Totaloperation", also einer Entfernung der Gebärmutter, können zu Inkontinenz führen. Für all diese Erkrankungen gilt, dass den Betroffenen breite Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Allein die Überwindung der mit Inkontinenz verbundenen psychischen Blockaden verbleibt bei der Initiative des Betroffenen selbst. Es kann ein insgesamt sehr heilsames Unterfangen sein, begleitend zu der körperlichen Therapie eine gute psychotherapeutische Unterstützung zu erhalten.
Pflegebedürftig oder dement
Die Art und Weise, wie der Mensch auf körperliche Symptome reagiert und die Bewältigungsstrategien für körperliche Erkrankungen, Symptome oder Behinderungen, laufen in der Regel unbewusst ab. Gerade das Thema Inkontinenz hat einen engen Bezug zu Sexualität und zu den Erfahrungen mit dem eigenen Körper in der Kindheit. Je weniger das bewusste Verhalten noch kontrolliert werden kann, desto augenfälliger wird dieser Zusammenhang. So erfahren Betreuer von dementen Menschen, dass diese bei beginnender Inkontinenz schnell in ein sehr kindliches Verhalten zurückfallen können. Diese Menschen erleben ihre Schamgefühle ebenso, wie das Bedürfnis danach, gepflegt und versorgt zu werden. |
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