Bettnässen – Ein tabuisiertes Leiden bei Erwachsenen
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Geschrieben von: W.Juengst, Marie Hediger   
Donnerstag, den 22. August 2013 um 09:10 Uhr

bettnssen
Das Bett ist nass: Enuresis heißt das Symptom


Bettnässen kommt auch bei Kindern über 5 Jahren noch einigermaßen häufig vor. Aber auch Erwachsene leiden sehr unter diesem Problem.

 

 

 

 

 

Entwicklungsverzögerung bei Kindern?

 

Manchmal steckt bei Kindern eine einfache Entwicklungsverzögerung oder eine zu geringe Blasenkapazität dahinter, die sich bald wieder "herauswächst". Bei Erwachsenen liegt die Ursache oft noch eher im Dunkeln und muss sorgfältig diagnostiziert werden. Aber das Aufwachen in einem nassen Bett ist weder für Kinder noch für Erwachsene angenehm.

 


Belastungsprobe Bettnässen

 

Unter Bettnässen leiden die Betroffenen häufig sehr stark und erleben eine deutliche Schwächung Ihres Selbstbildes. Auch für Partnerschaft und Sexualität stellt nächtliches Einnässen eine große Belastungsprobe dar.

 

 

Bettnässen : Hilfsmittel nicht in jedem Fall Kassenleistung

 

Wenn Betroffene Nacht für Nacht eine Inkontinenz-Vorlage tragen müssen, kommen zu den psychischen Belastungen auch noch hohe Ausgaben für die Inkontinenz-Versorgung hinzu. Denn diese Hilfsmittel werden nicht in jedem Fall von der Krankenkasse erstattet.

 


Genaue Ursachenforschung betreiben


Um Betroffenen wirksame Hilfe anzubieten, ist es wichtig, die genauen Ursachen für das nächtliche Einnässen zu finden. Betroffene sollten darin bestärkt werden, alle medizinischen Möglichkeiten zur Diagnostik auszuschöpfen.

 


Die Sache mit der Psyche

 

Eine psychosomatische Komponente kann auch in Betracht kommen, sollte jedoch erst nach genauer Ursachenforschung in Erwägung gezogen werden. Die körperlich bedingten Ursachen überwiegen bei der Symptomatik des nächtlichen Einnässens deutlich. Je nach Erkrankungslage sollte eine psychosomatische Diagnose nur nach genauer medizinischer Ausschluss-Untersuchung getroffen werden. Unabhängig von der Ursachenforschung ist eine psychische Begleitung des Patienten zur Bewältigung der belastenden Situation jedoch sinnvoll und sollte allen Betroffenen angeboten werden.

 


Zu tiefer Schlaf


Bei Erwachsenen können verschiedene Ursachen für das nächtliche Einnässen in Frage kommen: Einer der Gründe kann ein zu tiefer Schlaf sein, durch den die Betroffenen bei aufkommenden Harndrang nicht mehr rechtzeitig wach werden. Hier sollte auch der abendliche Genuss von Alkohol kritisch hinterfragt und evtl. vorübergehend eingestellt werden, um einen Zusammenhang herauszufinden.

 


Nächtliches Einnässen: Hormonmangel ADH


Die aktuellsten Hypothesen besagen, dass bei vielen Betroffenen das sogenannte antidiuretische Hormon (ADH) nicht (mehr) in ausreichendem Maße gebildet wird. ADH hat u.a.die Aufgabe, die Harnproduktion während des Schlafes zu drosseln. Bei älteren Patienten mit nächtlichem Einnässen und bei Schlaganfallpatienten kann mit einer medikamentösen Therapie eine schnelle Besserung erzielt werden. Allerdings können die Medikamente eine Reihe unangenehmer Nebenwirkungen zufolge haben.

 


Enuresis und die überaktive Blase

 

Auch eine überaktive Blase kann für das nächtliche Einnässen bei Erwachsenen in Frage kommen. Während Betroffene mit einer überaktiven Blase ihre Harnabgänge bei Tag noch kontrollieren können, ist dies dagegen nachts, während des Schlafens, nur noch in bedingtem Maße möglich. Dadurch wird das Signal "Blase voll" zu früh an das Gehirn geleitet. Während der Betroffene in der Nacht tief schläft, kann es dann zum nächtlichen Einnässen kommen.

 


Das Schlafapnoe-Syndrom und Enuresis

 

Zusätzlich wird ein Zusammenhang zwischen Enuresis und dem Schlafapnoe-Syndrom vermutet.

 


Wenden Sie sich an Ihren Urologen

 

Während sich bei Kindern das Problem des Bettnässens mit steigendem Alter oft von selbst erledigt, ist dies bei Erwachsenen eher selten der Fall. Deshalb sollten Sie sich unbedingt von einem Urologen untersuchen lassen. Dieser sollte die möglichen Ursachen des Problems eingrenzen und Ihnen entsprechende Therapiemaßnahmen vorschlagen. Er kann Ihnen beispielsweise Medikamente verschreiben, die die nächtliche Urinproduktion reduzieren oder die Blasenkapazität steigern.

 

Beachten Sie bitte in diesem Zusammenhang, dass eine genaue Diagnose bzw. das Einleiten erfolgreicher Therapiemaßnahmen nur durch einen entsprechenden Facharzt vorgenommen werden kann!


Quelle: Deutsche Inkontinenz Gesellschaft e.V., Band 8. Bamberger Gespräche 2004: Nykturie und Harninkontinenz.



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