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| Lexikoneintrag | Inhalt | |
| Abdominale Methode nach Burch | Operationsmethode bei Belastungsinkontinenz. Dabei wird die Lage der Scheide so verändert, dass die Harnröhre wieder in einer Position liegt, wo sie geringeren Druck aus dem Bauchraum erfährt. Dadurch erhöht sich der Verschlussdruck in der Harnröhre. | |
| Ableitende Harnwege | Zu den ableitenden Harnwegen gehören Nierenbecken (Pelvis renalis) und Harnleiter (Ureter), Blase und Harnröhre (Urethra). Der 25 – 30 cm lange Harnleiter stellt die Verbindung zwischen Nierenbecken und Harnblase dar. Die Harnröhre ist bei Frau und Mann unterschiedlich lang. | |
| Ableitende Inkontinenzhilfsmittel | Zu den ableitenden Inkontinenz-Systemen gehören alle Hilfsmittel, die den Urin wegleiten und in einem Behälter sammeln. Hierzu gehören: Einmal- und die Dauerkatheter, die sogenannten intermittierenden Einmalkatheter und die Kondomkatheter für Männer. | |
| Alpha-Rezeptorenblocker | In erster Linie ein Medikament zur Blutdrucksenkung. Alphablocker werden häufig bei Überlaufinkontinenz eingesetzt, wenn der Querschnitt der Harnröhre verengt ist. Sie entspannen die Muskulatur im Bereich der Prostata und im Blaseneingang. | |
| Alzheimer-Krankheit - Morbus Alzheimer | Erkrankung mit fortschreitender Demenz (geistiger Verfall) aufgrund abnehmender Hirnmasse/Hirnfunktion. | |
| Anal-Plug | Produkt zum Verschluss des Afters. Siehe auch Analtampons. | |
| Anale Elektromyographie | Test für die elektrische Muskelfunktion der After-Schließmuskel. Sie dient dazu herauszufinden, ob eine Stuhlinkontinenz eine muskuläre oder neurologische Ursache hat. | |
| Anale Manometrie | Zur Messung des Drucks am After bei Anspannung bzw. Entspannung der Muskeln | |
| Anale Ultraschalluntersuchung | Untersuchung zur Darstellung von analen und rektalen Strukturen | |
| Analfissur | Kleiner Einriss im Gewebe am After | |
| Analkanal | Endstück des Dickdarms, das mit der Öffnung des Afters endet. Hier sammelt sich der Stuhl vor der Ausscheidung an. | |
| Analsphinkter, externer | Muskelring, der das untere Ende des Afters umgibt und wie ein Ventil funktioniert. Dieser Muskel kann willkürlich gesteuert werden. | |
| Analsphinkter, interner | Muskelring, der das obere Ende des Afters bzw. das untere Ende des Mastdarms umgibt und wie ein Ventil funktioniert. Dieser glatte Muskel wird automatisch (unwillkürlich) gesteuert. | |
| Analsphinkter-Einriss | Kleiner Einriss im Muskelgewebe am After | |
| Analtampon | Hilfsmittel bei Stuhlinkontinenz. Analtampons werden in den After eingeführt, wenn der Patient nicht mehr in der Lage ist, willentlich den - festen - Stuhl zu halten. Sie sollen dazu beitragen, dem Patienten die nötige Sichherheit im Alltag zurückzugeben. Analtampons bestehen aus einem körperverträglichen Schaumstoff, der sie im angefeuchteten Zustand äußerst weich, gut formbar und saugfähig macht. Durch diese Eigenschaft passen sie sich im Enddarm den individuellen Schleimhautverhältnissen an. Sie haften an der Innenseite des Darms, also an der Rektumschleimhaut und verschließen den Darm für eine gewisse Zeit sicher gegen austretende Winde und festen Stuhl. Analtampons gibt es in verschiedenen Größen und Formen, damit sie an unterschiedliche Bedürfnisse angepasst werden können. | |
| Antegrader Einlauf (ACE) | Operative Maßnahme zur Reinigung des Dickdarms. Über eine Öffnung in der Bauchdecke wird eine Spüllösung verabreicht. Wird auch als Malone- oder ACE-Methode bzw. als antegrade Darmspülung (Irrigation) bezeichnet. | |
| Anterior | Lagebezeichnung (lat.) für vordere, vorderer, vorderes | |
| Anteriore Levatorplastik | Operation eines Teils des Beckenbodenmuskels | |
| Anteriore Vaginal-OP | Operation zur Behebung einer vaginalen Deformation oder eines Prolaps | |
| Antibiotika | Medikamentöse Therapie bei Blasenentzündungen oder Prostataentzündungen, wenn Bakterien die Infektion verursacht haben. Muss vom Arzt verordnet werden. | |
| Anticholinergika | Sie werden auch Spasmolytika oder Antispasmodika genannt. Medikamente bei Dranginkontinenz und überaktiver Blase. Sie hemmen die Wirkung des Parasympathikus (=anticholinerg) und wirken dadurch krampflösend (spasmolytisch) auf Hohlorgane. Sie entspannen die Blase, erhöhen dadurch die Blasenkapazität und Betroffene müssen nicht mehr so häufig zur Toilette. Insbesondere bei der Dranginkontinenz bzw. bei einer überaktiven Blase, gehören Anticholinergika zusammen mit einem gezielten Toilettentraining zur Standardtherapie. Nebenwirkungen können sein, Mundtrockenheit, schneller und unregelmäßiger Pulsschlag, Magenbeschwerden, Verstopfung und Beeinträchtigung des Nahsehens. | |
| Antimuskarinika | Art der Anticholinergika zur Blockade von chemischen Botenstoffen | |
| Anus/After | Öffnung am Ende des Darms, über die Stuhl aus dem Körper ausgeschieden wird | |
| Anämie | Zu wenig rote Blutkörperchen bzw. Hämoglobin im Blut | |
| Appendix | Aussackung am unteren Ende des aufsteigenden Dickdarms, der zu Entzündungen neigt | |
| Aufsaugende Produkte | Zu den aufsaugenden Produkten gehören Vorlagen mit oder ohne eingenähten Feuchtigkeits- und Geruchsabsorber, je nach Stärke der Inkontinenz. Sie haben alle einen Nässeschutz, der verhindert, dass Urin durchsickert. Außerdem soll verhindert werden, dass die Haut ständig mit der Feuchtigkeit in direktem Kontakt steht. Vorlagen werden nach dem Volumen der Saugfähigkeit von Flüssigkeiten (Urin) unterschieden. | |
| Ausscheidungsurografie | Röntgenkontrastdarstellung der Nieren, Harnleiter und der Blase. Für dieses Verfahren wird ein iodhaltiges Röntgenkontrastmittel in die Venen gespritzt und später von den Nieren ausgeschieden. Verfahren wird eingesetzt bei immer wieder auftretenden Harnwegsentzündungen, bei Harnstauungen, bei Verdacht auf Verengung oder Verstopfung der Harnwege, bei Abflusshindernissen z. B. durch Harnsteine, durch Tumore oder durch andere Ursachen. | |
| Barium-Einlauf | Bariumsalze sind unlöslich und bieten einen hohen Kontrast beim Röntgen. Beim Einlauf werden Bariumsalze in eine Flüssigkeit gegeben, die dann in den Dickdarm verabreicht wird, um die Bildqualität zu erhöhen. | |
| Beckenast des Nervus splanchnicus | Sakralnerv, der die Blasen- und Darmfunktion sowie die Muskelfunktion beeinflusst | |
| Beckenboden | Der Beckenboden stützt alle Organe des kleinen Beckens und den gesamten Rumpf. Er besteht aus drei Muskelschichten, die wie ein Trampolin zwischen Steißbein, Schambein sowie rechtem und linkem Sitzknochen gespannt sind. Eine Schwäche der Beckenbodenmuskulatur ist die häufigste Mitursache für Harninkontinenz. | |
| Beckenbodenrehabilitation | Begriff aus der Physiotherapie. Ganzheitliches Programm zur Wiederherstellung der Beckenbodenfunktion. | |
| Beckenbodentraining | Gezieltes Training zur Stärkung der Muskeln des Beckenbodens. Beckenbodentraining wird in jedem Alter als förderlich für das Erhalten oder Wiedererlangen der Harninkontinenz eingesetzt. Es stehen unterschiedliche Trainingsmethoden und verschiedene Übungen zur Verfügung. Besonders erfolgversprechend ist Beckenbodentraining bei jüngeren Menschen mit einer leichten bis mittleren Drang- bzw. Stressinkontinenz. | |
| Belastungsinkontinenz | (alte Bezeichnung: Stressinkontinenz) Unwillkürlicher Harnverlust z.B. durch Husten, Niesen, Lachen oder beim Sport. Die häufigste Form der weiblichen Harninkontinenz. Bei einer Belastungsinkontinenz löst der erhöhte Bauchinnendruck durch Belastung, Pressen aus den verschiedensten Gründen (Heben, Tragen, Treppensteigen, Lachen, Husten, Niesen) den mehr oder weniger ausgeprägten Harnverlust aus. | |
| benigne | medizinischer Ausdruck für gutartig. Dem gegenüber steht der Begriff maligne für bösartig. | |
| benigne Prostatahyperplasie | BPH oder BPS (benignes Prostatasyndrom) - alte Bezeichnung für eine gutartige Vergrößerung der Prostata und den damit zusammenhängenden Symptomen. Neu ist die Bezeichnung LUTS (Male Lower Urinary Tract Symptoms) | |
| Biofeedbacktraining | Das Biofeedback-Verfahren hilft dem Übenden beim Beckenbodetraining. Es dient dazu, die Muskeln des Beckenbodens besser zu spüren. Über eine Sonde wird die Bewegung der Muskulatur sichtbar oder hörbar gemacht.So ist das Erlernen der optimalen Übungsmethode und eine direkte Erfolgskontrolle möglich. | |
| Blase | Die Blase ist ein hohles Organ, das von einer Schicht aus glatter Muskulatur umgeben ist. Sie wird über zwei Harnleiter mit Urin gefüllt. Die Blase ist stark dehnbar und kann in der Regel bis zu 800 ml aufnehmen. | |
| Blasendruckmessung | Medizinisch: Zystometrie. Messung des Drucks in der Blase in verschiedenen Füllungszuständen, auch medizinisch Zystometrie genannt. Über einen dünnen Schlauch (Katheter) wird die Blase langsam mit Flüssigkeit gefüllt und dabei mehrfach der entstehende Druck gemessen. | |
| Blasenentzündung | Infektion der Blase; Blasenentzündung. Die "normale" Blasenentzündung, beruht meist auf einer bakteriellen Infektion durch die Harnröhre. Die häufigsten Erreger sind die Escherischia coli Bakterien, die im Enddarm vorkommen. Die akute Zystitis, ist eine sehr häufige Erkrankung, die vor allem Frauen betrifft. Beim männlichen Geschlecht kommt eine Blasenentzündung nur in Ausnahmen vor, so z.B. bei Patienten mit einem Blasenkatheter. Die akute Blasenentzündung der Frau ist, wenn sie rechtzeitig behandelt wird, in den meisten Fällen nur von kurzer Dauer. Gelegentlich kommt es jedoch als Komplikation zu Entzündungen der Nieren. | |
| Blasenfunktionsmessung | Med.: Urodynamik. Ziel: Erkenntnisse über das Zusammenspiel von Blase, Schließmuskel und Harnröhre ermitteln um die Speicherfähigkeit der Blase sowie der Urinentleerung zu messen. Dabei wird ein dünner Messkatheter durch die Harnröhre in die Blase eingeführt, über den die Blase gleichmäßig mit einer körperwarmen Kochsalzlösung gefüllt wird und gleichzeitig der Druck in der Blase gemessen werden kann. Ein zweiter Messkatheter wird im Enddarm positioniert und dient zur Aufzeichnung von Drücken, die im Bauch entstehen können. Zuletzt werden Messelektroden ähnlich denen eines Herz-EKGs auf dem Damm und dem Oberschenkel angebracht, die die elektrischen Signale der Muskulatur aufzeichnen können. Aus der Interpretation der verschiedenen Kurven ergibt sich dann die genaue Bezeichnung der zugrunde liegenden Blasenfunktionsstörung oder auch Harninkontinenz. | |
| Blasenmuskulatur | Medizinisch: Detrusor vesicae. Die Harnblasenwand besteht aus drei unterschiedlichen Muskelschichten, die sich zusammenziehen um den Harn aus der Blase heraus zu pressen, damit sich die Blase vollständig entleeren kann. Die gesamte Harnblasenmuskulatur wird auch als Detrusormuskel bezeichnet. | |
| Blasenschließmuskel | siehe auch Musculus sphincter (kurz Sphincter). Muskeln, die dafür sorgen, dass die Blase auch im gefüllten Zustand geschlossen bleibt. Die Blase wird von zwei Sphinkteren verschlossen. Erstens aus dem oberem Schließmuskel am Blasenhals; er besteht aus glatter Muskulatur, arbeitet reflektorisch und wird vom vegetativen NS gesteuert. Zweitens aus dem unterem Ringmuskel aus quergestreifter Muskulatur, der willkürlich arbeitet, das heißt bewusst gesteuert wird. | |
| Blasenschrittmacher | Ein Blasenschrittmacher kann die natürlichen Funktionen von Blase und Darm bei vielen Patienten mit neuronaler Fehlfunktion z.B. bei MS oder Querschnittslähmungen wieder herstellen. Bei dieser Therapieform werden die Nervenfasern des Rückenmarks im Bereich des Blasenzentrums elektrisch gereizt. Diese Nerven gehören zu einem Nervengeflecht, das die Funktion des Beckenbodens und der Blase steuert. Siehe auch Blasenstimulanz. | |
| Blasenspiegelung | Untersuchung der Blase, med. Zystoskopie genannt. Zur Erkennung krankhafter Veränderungen der Blaseninnenwand wie z.B. Entzündungen, Blutungen oder Blasensteine. Dafür wird ein sogenanntes Zystoskop – ein dünnes, schlauch- oder röhrenförmiges Instrument mit kleiner Camera und Vergrößerungslinse durch die Harnröhre in die Blase geführt. Der Arzt kann so Veränderungen in Blase und Harnröhre (Urethro-Zystoskopie) erkennen. | |
| Blasenstimulanz | Elektrische Neurostimulation durch Stimulation der Sakralnerven, welche beispielsweise zur Anregung der Blasenfunktion durchgeführt wird. Insbesondere bei Querschnittslähmungen wird dieses Verfahren oft angewendet. Siehe auch Brindley-Therapie und Blasenschrittmacher. | |
| Botulinumtoxin | Ein neues Verfahren bei sonst therapiereresistenter Dranginkontinenz stellt die Injektion von Neurotoxin in die Harnblase dar. Damit kann der Blasenmuskel für 3 – 9 Monate gelähmt werden. Der quälende Harndrang wird beseitigt. | |
| BPH | BPH ist ein älterer medizinische Fachausdruck für eine gutartige Prostatahyperplasie. LUTS, der neuere Ausdruck bezeichnet einen Symptomkomplex der unteren Harnwege, zu dem eine gutartige Vergrößerung der Prostata gehört. Mit Hilfe des PSA-Wertes sowie weiterer Untersuchungen kann Ihr Urologe eine bösartige Erkrankung ausschließen. Bei leichten Beschwerden wurden früher meist pflanzliche Mittel wie Phytosterole (Kürbiskern-Extrakte), Brennnesselwurzel-Extrakte, Opunzia-Kaktusblüte, Sägepalmen-Fruchtextrakte eingesetzt, die aber nicht mehr durch die gesetzlichen Krankenkassen erstattet werden. Vorsorgeuntersuchung für Männer ab 50, gesunde Ernährung und sportliche Betätigung werden als wichtige Präventionsmaßnahmen empfohlen. | |
| Brindley | Auch Blasenschrittmacher genannt: Brindley wurde als Blasenstimulator entwickelt, der querschnittsgelähmten Patienten eine willkürliche Blasenentleerung ermöglichen sollte. | |
| Bulkamid | Dabei wird die Harnröhre mit Gelpolstern unterspritzt, die die Funktion des Schließmuskels wieder herstellen.Die Methode benutzt ein sogenanntes Hydrogel, eine Substanz, die zu 97,5 Prozent aus Wasser und zu 2,5 Prozent aus Poly-Acrylamid besteht. | |
| Cervix, auch Zervix | Gebärmutterhals | |
| Computertomographie mit Kontrastmittelga | Diagnostikverfahren: Die CT und MRT kann bei Verdacht auf Fehlbildungen von Harnröhre, Blase oder Darm eingesetzt werden. | |
| Cul-de-Sac-Syndrom | Durch eine Beckenbodeninsuffizienz kommt es zum Tiefertreten von Dünndarm oder Dickdarm, so dass die Entleerung des Enddarms behindert wird. Es fühlt sich an, wie eine unvollständige Entleerung des Enddarms und kann zu Stuhlschmieren führen. | |
| Darmtraining | Trainingsprogramm gegen Verstopfung und Stuhlinkontinenz. Eingeschlossen ist ein Beckenbodentraining und Schließmuskeltraining gegen Divertikel und Hämorrhoiden, sowie ein Ernährungsprogramm. | |
| Dauerkatheter | Dauer- oder Blasenverweilkatheter kommen immer dann zum Einsatz, wenn Harn permanent aus der Harnblase ausgeleitet werden muss, um einen Rückfluss des Harns in die Niere zu verhindern. Der Katheter kann über die Harnröhre (transurethral) oder durch die Bauchwand (suprapubisch) gelegt werden. Bestimmte operative Eingriffe oder auch Krankenhausaufenthalte machen einen Dauerkatheter notwendig, wenn vorübergehend eine kontrollierte Harnableitung erfolgen soll. | |
| Defäkation | Stuhlgang | |
| Der künstliche Schließmuskel | Wenn sozusagen nichts Anderes mehr hilft wird bei der Frau oder beim Mann ein künstlicher Schließmuskel (Sphinkterprothese) implantiert.Dabei kann der Patient mit Hilfe einer winzigen Pumpe (die bei der Frau in den Schamlippen, beim Mann im Hodensack eingesetzt) den künstlichen Schließmuskel auslösen. Der künstliche Schließmuskel wird auch für Menschen die unter Stuhlinkontinenz leiden eingesetzt. Häufigste Anwendung der Sphinkterprothesen sind Verletzungen der Schließmuskel durch Operation, nach schweren Entbindungen und nach Unfällen. | |
| Detrusor vesicae | Die gesamte Harnblasenmuskulatur wird auch als Detrusormuskel bezeichnet, der durch Kontraktion (Zusammenziehung) die Entleerung der Blase bewirkt. Die Einmündungen der Harnleiter in die hintere Blasenwand und die Harnröhrenöffnung bilden ein muskulöses Dreieck (Trigonum vesicae) und verschließen die Harnblase wie ein Ventil gegen den Rückfluss in die Niere. Von diesem ausgehend, bilden seine Muskelfasern einen Ring um die obere Harnröhre, den inneren Blasenschließmuskel (Sphincter internus). Die äußere Muskelschicht um die Harnblase verläuft spiralförmig um die Harnröhre bis zur Beckenbodenmuskulatur, wo sich der äußere Blasenschließmuskel (Sphincter vesicae externus) befindet. So können Blasenmuskulatur und Schließmuskel koordiniert zusammenarbeiten. | |
| Detrusor-Muskel | Glatte Muskulatur der Blase, nicht willkürlich steuerbar, die für die Blasenentleerung bei der Miktion sorgt. | |
| Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie (DSD) | Eine Blasenfunktionsstörung, die durch das gestörte Zusammenwirken der bei der Blasenentleerung beteiligten anatomischen Strukturen gekennzeichnet ist. Häufige Ursachen für die Entstehung einer DSD sind Rückenmarksverletzungen und Multiple Sklerose. | |
| Digitale Untersuchung | Tastuntersuchung des Darms und der Prostata mit dem Finger (geschützt durch einen Handschuh) zur Untersuchung. Bei der männlichen Inkontinenz betrifft diese Untersuchung in der Regel die Feststellung einer Prostatahyperplasie | |
| Doppelte Inkontinenz | Gleichzeitiges Auftreten von Stuhl- und Harninkontinenz | |
| Dranginkontinenz | Auch als Urge-Inkontinenz bezeichnet. Starker, nicht unterdrückbarer Harndrang mit ungewolltem Harnverlust. Bei der Dranginkontinenz (Urge-Inkontinenz) kommt es durch ein nicht zu beeinflussendes Zusammenziehen des Blasenmuskels zum unfreiwilligen Urinverlust. Von der Dranginkontinenz sind etwa 22% der inkontinenten Frauen und ca. doppelt so viele inkontinente Männer betroffen. Bei Dranginkontinenz wird zwischen der sensorischen Dranginkontinenz und der motorischen Dranginkontinenz unterschieden. Die Ursache ist ein instabiler Druck in der Harnblase. Bei der sensorischen Dranginkontinenz liegen meist Entzündungen, Tumoren oder Fremdkörper in der Blase vor. Bei der motorischen Dranginkontinenz ist die Ursache meist ein z. B. altersbedingter Funktionsverlust des Detrusors (Blasenmuskels). | |
| Druckprofilmessung | Untersuchungsmethode, medizinisch Urethrozystotonometrie genannt: Gleichzeitige Messung des Drucks in Blase und Harnröhre über spezielle Sonden. Die Blase wird zunächst über einen Katheter gefüllt. Der Patient wird gebeten, kräftig zu husten oder sich zu bücken. Der Arzt kann aus den Ergebnissen erkennen, ob der Blasenverschluss richtig funktioniert und bei welchem Druck er gegebenenfalls versagt. | |
| DSD | Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie. Eine Blasenfunktonsstörung häufig bei Multipler Sklerose oder Rückenmarksverletzungen. | |
| Einlagen für Frauen | Normale Inkontinenz-Einlagen unterscheiden sich von gewöhnlichen Damenbinden dadurch, dass sie den Urin aufsaugen und nach innen hin einschließen, damit weder Kleidung noch die Haut mit der Feuchtigkeit in Berührung kommen. Sie besitzen einen Klebestreifen und werden in der Unterwäsche eingeklebt. Sie sind geeignet bei geringer bis maximal mittlerer Inkontinenz oder bei Belastungsinkontinenz Dabei ist sie wesentlich zuverlässiger als eine Damenbinde, da sie extra für die Urininkontinenz konzipiert wurde. Es gibt Inkontinenz-Einlagen in verschiedenen Saugstärken. | |
| Einlagen für Männer (Tropfenfänger) | Diese speziellen Produkte sind wie kleine Taschen geformt und können den Harn für eine gewisse Zeit auffangen. Sie eignen sich nur bei leichter Blasenschwäche. Da die Saugkraft nur sehr gering ist, bieten sie über einen längeren Zeitraum gesehen, keinen ausreichenden Schutz und sollten mit anderen Produkten kombiniert werden. | |
| Einlauf | Verfahren, bei dem Flüssigkeit in den Dickdarm verabreicht wird. | |
| Einmalkatheter | Der "gebrauchsfertige Einmalkatheter" ist ein steril verpackter Katheter zur intermittierenden Selbst- oder Fremd-Katheterisierung. Er eignet sich für das wiederholte Katheterisieren über einen längeren Zeitraum. Die Einmalkatheter bestehen meistens aus PVC, PU oder Silikon und unterscheiden sich in ihrer Form der Spitze nach z.B. Tiemann, Nelaton oder Oliv. Die Länge der Katheter wird in cm angegeben. Der Durchmesser wird in Charrière angegeben (1 CH = 1/3 mm Durchmesser). Die Verpackung der Katheter ist so beschaffen, dass ein Einführen ohne Berührung und ohne zusätzliche Handschuhe aseptisch erfolgen kann. Diese Katheter sind für den überwiegend häuslichen Gebrauch gedacht. Zum Gebrauch ist der Katheter bereits mit einem Gleitgel beschichtet oder es wurde der sterilen Verpackung beigelegt. Bei Katheter mit einer hydrophilen Beschichtung zur Aktivierung der Gleitschicht ist eine sterile NaCl Lösung bereits in der sterilen Verpackung beigefügt. | |
| Elektrische Stimulation | Über eine Elektrode werden den Muskeln elektrische Impulse verabreicht. Dabei ziehen sich die Muskeln oder Muskelgruppen selbstständig zusammen und werden dadurch passiv trainiert. | |
| Elektrolyte | Die Elektrolyte sind Mineralstoffe, die sich in Flüssigkeit lösen und diese elektrisch leitfähig machen, z. B. Natrium oder Kalium. Sie erfüllen dadurch wichtige Funktionen im Körper. | |
| Elektromyografie des Beckenbodens | Messung der Aktivität der Beckenbodenmuskulatur und des Blasenschließmuskels über spezielle Sonden. Die Methode findet auch heraus, inwieweit der Patient diese Muskeln kontrollieren kann. | |
| Elektrostimulation | Bei der Therapie werden Elektroden in Scheide oder Enddarm eingeführt, die die Beckenbodenmuskulatur stimulieren und passiv trainieren. Die Methode kann bei Belastungsinkontinenz schnelle Besserung bewirken, da sie den Schließdruck der Schließmuskel erhöht. Außerdem kann sie das Zusammenziehen der Blasenwandmuskulatur hemmen und so einer Dranginkontinenz entgegenwirken. | |
| EMG | Elektromyographie. Ein Muskeltraining auf der Basis des Biofeedbackprinzips. Wird zur Behandlung von Harn- und Stuhlinkontinenz oder auch zur Diagnostik verwendt. | |
| Enuresis | Bettnässen, wenn das Alter der normalen Entwicklung zum Trockenwerden überschritten wurde, ca ab 5 Jahre. Als Enuresis wird das Einnässen bezeichnet, also das ungewollte Urinieren. Das Einnässen gehört zu den häufigsten Störungen des Kindesalters. Nachts nässen etwa 25 % der Vierjährigen, 10 % der Siebenjährigen und 1-2 % der Jugendlichen ein. Auch Erwachsene sind von dieser Störung betroffen. | |
| Ersatz-Blase | Künstliche Blase nach Blasenkrebs. Die Ersatzblase wird aus Dünn- und/oder Dickdarm gebildet und bekommt einen Anschluß an die Harnröhre. Die Entleerung der Ersatzblase kann auf natürlichem Weg über die Harnröhre erfolgen, dann wird auch von einer "trockenen" (kontinenten) Harnableitung gesprochen. In manchen Fällen wird ein Anschluss über die Bauchwand gelegt. Dann wird von einer nassen (inkontinenten) Harnableitung gesprochen, denn in diesen Fällen muss der Harn regelmäßig aufgefangen werden. | |
| extraurethrale Harninkontinenz | Seltene Form der Harninkontinenz, bei der Urin durch eine Fistel oder aufgrund einer Missbildung aus der Blase gelangt. Fisteln sind krankhafte kleine Gänge, die sich im Körperinneren bilden können. Der Urin kann etwa durch die Scheide oder den Darm nach außen gelangen. | |
| Fisteln | Eine Verbindung bzw. ein Kanal zwischen zwei Hohlorganen bzw. zwischen einem Hohlorgan und der Körperoberfläche. Kommt u.a. bei extraurethraler Inkontinenz vor. | |
| Flatulenz | Entwicklung von Gas/Luft im Magen oder Darm. | |
| Foley-Katheter | Der Foley-Katheter ist ein Schlauch, der über die Harnröhre in die Blase eingeführt wird, um diese zu entleeren. Er zählt zu den Dauerkathetern und muss regelmäßig gewechselt werden. | |
| Funktionale Inkontinenz | Inkontinenz, die auf andere Ursachen als Darm- oder Blasenprobleme zurückgeht. Häufig bei demenz kranken Menschen, die möglicherweise die Toilette nicht mehr finden oder die Kleidung nicht frühzeitig genug herunter lassen können. | |
| Funktionelle Beckenbodenarbeit | Funktionelle Beckenbodenarbeit ist eine Form des Beckenbodentrainings bei Inkontinenz. Sie verbessert die Wahrnehmung und Sensibilität des Beckenbodens, macht Zusammenhänge mit Haltung und Atmung erfahrbar und fördert muskuläre Kraft und Ausdauer. | |
| Fünf-Alpha-Reduktase-Inhibitoren | Diese Wirkstoffe lassen die vergrößerte Prostata schrumpfen, wodurch der Druck auf die Harnröhre nachlässt. Die Wirkung kann allerdings bis zu mehreren Monaten auf sich warten lassen und ist nicht so effizient wie die der Alpha-Blocker. Nebenwirkungen können allerdings zu Impotenz, nachlassender Libido und verringertem Ejakulatvolumen führen, sowie zu allergischen Reaktionen. | |
| Fäkalinkontinenz | Stuhlinkontinenz. Die Stuhlinkontinenz betrifft Kot, flüssige Ausscheidungen und Gase. | |
| Gemischte Inkontinenz | Das gleichzeitige Auftreten von Drang- und Belastungsinkontinenz wird als Mischinkontinenz bezeichnet. | |
| Geriater | Auf die medizinische Versorgung von alten Menschen spezialisierter Arzt. | |
| Grazilisplastik | Grazilisplastik - dynamische/stimulierte - wird ein künstlicher Schließmuskel genannt. Sie wird durch einen chirurgischen Eingriff eingesetzt bei dem ein Beinmuskel um den After platziert wird und einen neuen Schließmuskel bildet. | |
| Guarding-Reflex | Verhindert das Öffnen des externen Sphinkters, sobald sich durch das Füllen der Blase der Druck erhöht. | |
| Harndrang | Täglich produziert der menschliche Körper zwischen einem und eineinhalb Liter Urin..Dieser Urin wird in den Nieren gebildet und sammelt sich konzentriert in der Harnblase an. Ist die Harnblase voll, entsteht ein Harndrang, der dem Bewusstsein signalisiert, dass in einiger Zeit der Gang zur Toilette notwendig wird. Wenn diesem Harndrang nicht sofort nachgegangen wird, wird der Schließmuskel aktiviert und ein stärkerer Gegendruck aufgebaut, bis dann die Entleerung der Harnblase nicht mehr aufgehalten werden kann. | |
| Harnflussmessung | Die Harnflussmessung, med. Uroflowmetrie, ist ein diagnostisches Verfahren, bei dem der Harnausfluss während der Blasenentleerung (Miktion) gemessen wird. Der Patient wird gebeten, die Blase in einer Spezialtoilette zu entleeren. Das Ergebnis wird in einer so genannten „Harnflusskurve“ aufgezeichnet. Sie dient der objektiven Feststellung von Blasenentleerungsstörungen und gehört zu den Basisuntersuchungen in der Urologie. Die Uroflowmetrie gibt Aufschluss über Abflussbehinderungen, wie sie z.B. bei Prostatavergrößerungen u.a. vorkommen können. | |
| Harninkontinenz | Verlust der Fähigkeit, Urin (Harn) bewusst zurückzuhalten. Die bewusste Kontrolle der Blase ist eingeschränkt und der Zeitpunkt der Blasenentleerung kann häufig nicht mehr selbst bestimmt werden. Es kommt zu vorzeitiger Blasenentleerung bevor die Toilette erreicht werden kann. | |
| Harnleiter | Der Harnleiter, medizinisch Ureter (lat.) genannt, zählt zu den paarigen ableitenden Harnwegen. Der Harnleiter verbindet die (beiden) Nieren mit der Harnblase und leitet den Harn von den Nieren zur Speicherung in die Blase. | |
| Harnretention | Wenn Harn in der Blase verbleibt spricht man von einer Harnretention. Dies kann auftreten, aufgrund einer mechanischen Blockierung (Obstruktion) oder aufgrund eines schlaffen Blasenmuskels. Eine häufige Ursache für Harnretention ist eine Harnabfluss-Störung durch eine gutartige Prostatavergrößerung. Aufgrund einer Harnretention kann es zu ungewolltem Harnabfluss und häufigem Harndrang kommen. | |
| Harnröhre | Die Harnröhre, medizinisch Urethra (lat.) genannt, ist eine etwa bleistiftdicke Röhre, durch die der Urin aus der Blase nach außen gelangt. Sie ist bei Frauen 2,5-5 cm, bei Männern 20-25 cm lang. Unterschieden wird die Harnröhre vom Harnleiter, der den Urin von der Niere in die Blase transportiert. | |
| Harnröhrentonus | Harnröhrenverschlussdruck in Ruhe (Ruheprofil). Mittels einer Sonde wird der Druck des Harnröhrenverschlusses gemessen. Diese Untersuchung eignet sich zur Diagnostik bei Belastungsinkontinenz. | |
| Harnröhrenunterspritzung | Hierbei wird eine Substanz – beispielsweise Silikon – direkt in die Gegend des Blasenhalses gespritzt. (Siehe auch Implacement-Therapie) Rund um die Harnröhre entsteht so ein zusätzlicher Druck, der die Verschlussfähigkeit verbessert. Der Eingriff kann eine schnelle Besserung erzielen, muss aber für eine dauerhafte Wirkung in der Regel nach einiger Zeit wiederholt werden. | |
| Harnverhalt | Harnverhalt, Harnverhaltung oder Harnretention. Wenn die Blase den Harn nicht mehr vollständig ausscheiden kann, spricht man von einem Harnverhalt. Eine häufige Ursache für Harnretention ist eine Harnabfluss-Störung durch eine gutartige Prostatavergrößerung. Aufgrund einer Harnretention kann es zu häufigem Harndrang bis zur Harninkontinenz kommen. Der Notfall tritt ein, wenn es durch eine Abflussbehinderung zu einem akuten vollständigen Harnverhalt kommt. Dieser Notfall kann im Falle einer Prostatahyperplasie jederzeit auftreten. Der akute Harnverhalt ist sehr schmerzhaft und muss sofort behandelt werden. | |
| Harnwegsinfektion | Med.: Zystitis. Meist bakterielle Infektion der Harnblasenschleimhaut mit Symptomen wie Schmerzen beim Wasserlassen, häufiger Harndrang, allgemeine Krankheitszeichen und auffälligem Urinbefund. | |
| Hoden | Paariges Organ des Mannes zur Produktion von Spermien. Die Hoden befinden sich im Hodensack unterhalb des Penis. | |
| Hormone | Hormone sind Körper-Substanzen, die in speziellen Zellen produziert werden und Körperfunktionen wie z. B. die Fortpflanzung steuern und beeinflussen. | |
| Hustenprovokationstest | Da bei Husten ein starker Druck auf den Beckenboden ausgelöst wird, lässt sich duch Druckmessungen mittels Sonde ermittlen, wie gut der Schließmuskel dem Druck beim Husten widerstehen kann. Diese Diagnostik eignet sich nur zum Überprüfen der anfänglichen Verdachtsdiagnose Belastungsinkontinenz. Der sichere Nachweis einer Belastungsinkontinenz ist nur durch eine fachärztliche urodynamische Untersuchung möglich. | |
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