Stuhlgang, Blähungen und Inkontinenz Drucken E-Mail
(1 Bewertung, Durchschnitt 5.00 von 5)
Geschrieben von: W.Juengst, Marie Hediger   
Freitag, den 04. November 2011 um 10:28 Uhr

stuhlinkontinenz
Was ist eine Stuhlinkontinenz?

 

Bereits im frühen Kindesalter lernen wir unseren Stuhlgang willkürlich zu kontrollieren.

 


Bei bestimmten Erkrankungen und Störungen kann uns diese Fähigkeit allerdings auch wieder abhanden kommen. Man spricht dann von einer Stuhlinkontinenz oder Darmschwäche. Sie bezeichnet die Unfähigkeit, den Darminhalt willkürlich zurückhalten zu können. Damit ist aber nicht nur das unwillkürliche Entweichen von flüssigem und festem Stuhl gemeint, sondern auch der unkontrollierte Abgang von Flatulenzen (Winden).

Wer ist betroffen?


Aktuellen Studien zufolge sind in Deutschland rund fünf Prozent der Bevölkerung von Stuhlinkontinenz betroffen. Zu dieser Gruppe zählen dabei überdurchschnittlich oft ältere Menschen und auch häufiger Frauen als Männer. Das liegt vor allem an der schwächer ausgebildeten Beckenbodenmuskulatur bei Frauen bzw. daran, dass diese bei Frauen infolge von Geburten geschädigt wurde.



Wie entsteht eine Stuhlinkontinenz?

stuhlinkontinez_kleinBeckenbodenschwäche


Für eine Stuhlinkontinenz kommen gleich mehrere Ursachen in Frage: Einer der Gründe kann eine Beckenbodeninsuffizienz sein. Diese tritt bevorzugt bei Frauen als Alterserscheinung oder als Folgeerscheinung mehrerer Entbindungen auf. Daneben kann auch Übergewicht eine Beckenbodeninsuffizienz verursachen. Durch die geschwächte Beckenbodenmuskulatur können die Organe, die im Becken liegen, nicht mehr gehalten werden. Es kommt zu einem Vorfall der Organe ( Prolaps), wodurch das fein abgestimmte Verschlusssystem im Darm so stark gestört werden kann, dass es zu unwillkürlichen Stuhl- und Windabgängen kommt.



Darmerkrankungen


Daneben können auch Durchfallerkrankungen für eine Stuhlinkontinenz verantwortlich sein: Kann bereits dünnflüssiger Stuhl bei einem gesunden Menschen die Kraft des Schließmuskels überfordern, so verstärkt sich dieser Effekt insbesondere bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa. Wenn eine dieser Durchfallerkrankungen den Enddarm befallen hat, tritt eine Verhärtung der Darmwand ein und die Reservoirfunktion des Enddarmes geht verloren. Bei dünnflüssigem Stuhl kann der Schließmuskelapparat den Stuhlabgang nicht mehr kontrollieren. Das gleiche Problem kann auch nach der Entfernung des Enddarms, beispielsweise aufgrund eines Tumors, auftreten.



Wenn  Anus oder Rektum hervortreten


Daneben zählt ein Vorfall des Enddarms oder des Anus (Rektum- oder Anal-Prolaps) zu den häufigsten Erkrankungen, die zu einer Stuhlinkontinenz führen können. Liegt ein solcher Vorfall vor, tritt die sensible Analhaut durch den Analkanal hervor, wodurch gleichzeitig auch Teile des Schließmuskels nach außen verlagert werden. Stuhlschmieren, Stuhlabgang oder unwillkürlicher Abgang von Winden sind die Folge.



Verletzungen im Bereich des Beckenbodens


Bei Frauen kommt es auch häufig zu einer Stuhlinkontinenz infolge von Verletzungen im Beckenbereich, die durch vaginale Entbindungen (Dammriss oder -schnitt mit Einriss oder Zerstörung des Schließmuskels) oder durch den Vorfall von Organen (Prolaps von Darm, Scheide, Gebärmutter, Blase) verursacht wurden. Oftmals werden solche Verletzungen gar nicht oder zu spät erkannt, weil sie vom Gewebe verdeckt werden und erst nach einem längeren Zeitraum ohne Komplikationen zu einer späteren Stuhlinkontinenz führen.



Schädigungen des Nervensystems


Daneben führen auch häufig Nervenschädigungen zu einer Stuhlinkontinenz, die beispielsweise durch Schlaganfälle, Multiple Sklerose, senile Demenz oder Schäden nach radikalen Tumoroperationen hervorgerufen wurden. Durch solche Schädigungen der Nervenbahnen, die auch durch vaginale Entbindungen oder durch einen Bandscheibenvorfall ausgelöst werden können, wird der Steuerungsmechanismus des analen Schließmuskels so stark gestört, dass der Abgang von Stuhl und Winden nicht mehr willkürlich kontrolliert werden kann.



Unterschiedliche Schweregrade der Stuhlinkontinenz


Eine Stuhlinkontinenz kann bei den Betroffenen unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Man unterscheidet dabei drei verschiedene Schweregrade:

Von einer Teilinkontinenz ersten Grades spricht man, wenn es infolge von Belastungen (z.B. Sport, Treppensteigen, Tragen und Heben von Gegenständen, Lachen, Niesen, Husten, etc.) oder Durchfallerkrankungen zu unwillkürlichen Stuhlabgängen bzw. Stuhlschmieren kommt.

Liegt dagegen eine Teilinkontinenz zweiten Grades vor, ist es nicht mehr möglich, Darmgase und dünnen Stuhl zu halten.

Von einer Totalinkontinenz spricht man dagegen, wenn ein totaler Kontrollverlust über die Darmentleerung vorliegt. Es ist den Betroffenen also nicht mehr möglich, die Entleerung des Darminhalts (flüssiger und fester Stuhl, Winde) bewusst zurückzuhalten

Beachten Sie bitte in diesem Zusammenhang, dass eine genaue Diagnose bzw. das Einleiten erfolgreicher Therapiemaßnahmen nur durch einen entsprechenden Facharzt vorgenommen werden kann!


Quelle: Deutsche Inkontinenz Gesellschaft e.V., Broschüre: Stuhlinkontinenz


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Stuhltagebuch und Darmmanagement

Darmmanagement - Hilfe bei Stuhlinkontinenz

 

Kommentare

Name *
E-Mail (für Bestätigungen & Antworten)
URL
Code   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Kommentar abschicken