Tabuisierte Männerkrankheiten Drucken E-Mail
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Geschrieben von: Sigrid Eberle   
Samstag, den 10. Juli 2010 um 10:11 Uhr

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Darüber spricht man(n) nicht


Dem gängigen Klischee nach sind Männer schweigsam und hart gegen sich selbst. Inwieweit dies Rollenbild stimmt, mag dahingestellt bleiben:

 

 

 

 

 

 

 

 

Aber Veränderungen und Erkrankungen, die sich unterhalb der Gürtellinie abspielen, werden auch heute noch von den meisten Männern verdrängt, bis es gar nicht mehr geht. Dabei könnte sich so mancher Mann viel Quälerei und Unannehmlichkeiten ersparen, würde er seine Probleme wahrnehmen und mit einem Arzt darüber sprechen, denn oft kann mit wenig Aufwand Besserung erreicht werden. Bei einem Gespräch mit seinem Arzt würde er auch erfahren, dass er nicht allein ist mit seinem Problem. Fast 40 Prozent aller Männer über 50 Jahren haben Probleme mit dem Wasserlassen, wie z.B. abgeschwächter Harnstrahl, Harnstottern, Nachträufeln oder nächtliches Wasserlassen. Oft steckt eine – in der Regel gutartige – Vergrößerung der Vorsteherdrüse bzw. Prostata dahinter. Sind die durch die vergrößerte Prostata verursachten -Beschwerden mehr als nur lästig oder wird bei wiederholten Kontrolluntersuchungen eine Größenzunahme festgestellt, kann man versuchen, die Symptome mit Medikamenten zu lindern. Dafür stehen im Prinzip drei Substanzklassen zu Verfügung:


• Pflanzliche Medikamente: Am häufigsten werden Phytosterole z.B. auf Kürbiskernbasis oder Präparate aus Sägepalmblättern oder Brennnesselwurzel angewendet.



• Alpha-Blocker reduzieren die Muskelspannung und erleichtern so den Abfluss. Sie bewirken aber wie die Pflanzenpräparate keine Verkleinerung der Prostata.



• 5-alpha-Reduktase-Hemmer greifen in den Testosteronstoffwechsel ein und sollen auch zu einer Verkleinerung der vergrößerten Prostata beitragen.


Reichen diese Maßnahmen nicht aus, kommt es immer mal wieder zu einem Harnverhalt oder zu wiederholten Blaseninfekten durch die große Restharnmenge, ist die operative Verkleinerung der Prostata zu diskutieren. Dafür stehen heute zahlreiche Operationsverfahren zur Verfügung. Von den meisten fehlen bisher allerdings Langzeitergebnisse. Das Standardverfahren ist daher nach wie vor die sogenannte Transurethrale Resektion, also die Entfernung des Prostatagewebes unter Sicht durch die Harnröhre hindurch.

 


Prostatakrebs gefährlich oder nicht?


Neben der gutartigen Vergrößerung der Prostata gibt es auch bösartige Prostataerkrankungen. Die Wahrscheinlichkeit, daran zu erkranken, nimmt jenseits des 50. Lebensjahres linear zu. So haben bei den über 85-Jährigen von 100.000 Männern knapp 1000 einen Prostatakrebs. Mit 20% der Neuerkrankungen an Krebs ist das Prostatacarcinom noch vor Darm- und Lungenkrebs die -häufigste Krebserkrankung bei Männern. Allerdings sind nur 10% der Krebstodesfälle auf ein Prostatacarcinom zurückzuführen. Diese Diskrepanz ist Anlass für vielfältige Diskussionen. Während die einen für eine möglichst frühzeitige Entdeckung und Behandlung plädieren und z.B. die weite Verbreitung des PSA-Tests als Früherkennungsuntersuchung fordern, sehen andere das Prostatacarcinom als „Haustierkrebs“ an, der sich in vielen (den meisten) Fällen überhaupt nie bemerkbar macht und auch nicht zum Tode führt, sodass es nicht aggressiv gesucht und behandelt werden müsse. Auch wenn bösartig veränderte Zellen in der Prostata zu finden seien, bedeute das noch lange nicht, dass sich daraus jemals eine Krebserkrankung entwickeln wird. Sie führen an, dass bei vielen Männern die möglichen Nebenwirkungen der Therapie wie Inkontinenz und Impotenz viel schlimmer seien als die Krebserkrankung an sich, ganz abgesehen von der Verunsicherung und psychischen Belastung, die die Diagnose Krebs mit sich bringt. Daher wird von einigen Ärzten und Patienten kontrolliertes Zuwarten durchaus als „Therapie“-Option angesehen und auch erfolgreich praktiziert.



Rauchen erhöht das Risiko für Blasenkrebs


Eine andere Krebserkrankung des Urogenitalsystems, der Blasenkrebs, könnte auch als typische Männerkrankheit angesehen werden, denn die Häufigkeit ist bei Männern etwa dreimal so hoch wie bei Frauen (30 bzw. 8 Fälle auf jeweils 100.000). Der wichtigste Risikofaktor für Blasenkrebs ist Rauchen. Dabei korreliert die Menge der insgesamt konsumierten Tabakprodukte linear mit dem Erkrankungsrisiko. Am längsten bekannt als Risikofaktor ist der Kontakt zu aromatischen Aminen, die häufig in der industriellen Produktion verwendet werden (wurden). Daher wird Blasenkrebs bei entsprechenden Tätigkeiten, z.B. bei Arbeitern in der Chemie-, Leder- und Stahlindustrie auch als Berufskrankheit anerkannt. Inwieweit der Konsum von künstlichen Süßstoffen wie Saccharin und Zyklamat auch beim Menschen das Risiko für Blasenkrebs erhöht – bei Tieren nachgewiesen – ist bisher noch nicht abschließend geklärt. Manche Studien verneinen einen derartigen Zusammenhang.

 

Das wichtigste Hinweiszeichen auf einen möglichen Blasenkrebs ist die (schmerzlose) Beimengung von Blut im Urin. Diese sollte immer ernst genommen und unverzüglich abgeklärt werden. Ultraschall, Blasenspiegelung, Röntgendarstellung der ableitenden Harnwege, CT und MRT sowie Urinuntersuchungen werden dabei je nach Bedarf zur Diagnostik herangezogen.

 

Oberflächlich entwickelte Tumoren können durch die Instillation von Chemotherapeutika in die Blase behandelt werden.  Ist aber die Wand der Blase bereits befallen, erfolgt die Therapie in der Regel operativ. Je nach Ausdehnung werden ein Teil der Blase oder die komplette Blase entfernt. Im letzteren Fall wird man versuchen, eine Ersatzblase z.B. aus Darmanteilen zu rekonstruieren. Dabei versucht man, nach Möglichkeit eine „normale“ Blasenfunktion zu schaffen. Dies ist je nach Tumorsitz und -größe mit modernen Verfahren manchmal möglich, aber leider nicht immer. In diesen Fällen wird der Urin über Beutel, ähnlich wie bei einer Stomaversorgung bei Darmkrebs, entleert.

 


Auch Männer können nicht immer

 
Ein ganz sensibles Männerthema ist Impotenz oder erektile Dysfunktion. Heute weiß man, dass eine solche Dysfunktion häufig kein isoliertes Geschehen darstellt. Oft ist sie mit anderen Erkrankungen z.B. des Herz-Kreislauf-Systems oder Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes oder dem metabolischen Syndrom verbunden und tritt als erstes Symptom einer solchen Erkrankung in Erscheinung. Daher ist es für Betroffene sehr wichtig, dass sie im Fall des Falles die Problematik mit ihrem Arzt besprechen und weiter abklären lassen – nicht nur der Lust, sondern vielmehr der -Gesundheit zuliebe.

 

 

von Sigrid Eberle

 

 

PSA-Test

Das Prostataspezifische Antigen PSA ist ein Enzym, das nur in der -Prostata gebildet wird und daher spezifisch für dieses Organ ist. Allerdings ist es nicht spezifisch für eine Krebserkrankung, sondern auch bei Gesunden nachzuweisen. Sowohl bei gutartigen als auch bei bösartigen Prostata-erkrankungen kann das PSA erhöht sein, weshalb die Festlegung von Grenzwerten schwierig ist. Seine Bedeutung als Suchtest ist daher umstritten und wird von den gesetzlichen Krankenkassen nicht bezahlt. In der Tumornachsorge stellt die Bestimmung des PSA dagegen ein etabliertes Verfahren dar und kann frühzeitig ein Wiederaufflammen der Erkrankung anzeigen.

 

 

Die Prostata

Die Prostata ist eine normalerweise etwa kastanien-große Drüse, die die Harnröhre umschließt. In ihr wird die Flüssigkeit produziert, mit der die Samenfäden beim Samenerguss (Ejakulation) -herausgeschleudert werden.

 

 

Inkontinenz beim Mann: Prostataerkrankungen können die Ursache sein

Nicht nur die Krebstherapie kann in einigen Fällen zur Inkontinenz führen – auch eine vergrößerte und erkrankte Prostata kann das lästige Übel verursachen. Vergrößert sich die Prostata, wird die Harnröhre – die durch die Prostata verläuft (siehe Abb.) – automatisch eingeengt. Eine Überlauf-inkontinenz kann die Folge sein. Lassen Sie sich auch nicht davon täuschen, dass eines der ersten Symptome der Erkrankung darin besteht, dass das Urinieren schwerfällt. Zwar wird der Ausfluss des Urins aus der Blase zunächst erschwert und der Urin kann oft nur noch unter Zuhilfenahme der Bauchmuskulatur abgelassen werden. Doch durch die beständig gefüllte Blase verliert diese zunehmend ihre Kontraktionsfähigkeit – der Druck in ihrem Inneren steigt beständig an. So kommt es schließlich dazu, dass sich die Blase dauerhaft tröpfelnd entleert. Zu einer Stressinkontinenz kann es hingegen kommen, wenn die Muskulatur im oberen Harnröhrenabschnitt verletzt wurde – z. B. nach der Entfernung von Prostatakrebs. Je nach Ursache der Inkontinenz können verschiedene Therapien durch den behandelnden Arzt angeboten werden. In der Zwischenzeit haben sich Inkontinenz-Einlagen bewährt, die einen diskreten Schutz bieten.

 

 

 

Quelle: www.orthopress.de

 

 

 

 

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