Demenz - Ist Inkontinenz abwendbar? Drucken E-Mail
(1 Bewertung, Durchschnitt 2.00 von 5)
Geschrieben von: Marie Hediger   
Sonntag, den 29. August 2010 um 08:49 Uhr

demenz
Ist der demente Patient kontinent - hat es die Pflegeperson leichter


Demenz und Harn- und Stuhlinkontinenz treten oft gemeinsam auf. Bis zu 80% der von Demenz betroffenen Patienten sind inkontinent.

Eher seltener handelt es sich dabei aber um ein unabwendbares Schicksal. Viel häufiger ist die Ursache der Inkontinenz im Lebensalltag des Betroffenen zu finden und kann mit einem gezielten Behandlungskonzept häufig gut beeinflusst und sogar weitgehend behoben werden. Wenn die zu betreuende Person noch kontinent ist, fallen für den Betreuer viele Handgriffe weg und die Betreuung wird leichter. Auch die demente Person profitiert davon und bleibt dadurch länger mobil.

Die Rolle der Pflegenden bei Demenz


Die größte Herausforderung für den Pflegenden liegt darin, mit Geduld und Feingefühl eine Umgebung zu schaffen, in der die demente Person möglicherweise wieder kontinent werden kann oder doch zumindest eine Besserung erfährt. Die Lebensqualität und Selbstständigkeit der dementen Person hängt sehr davon ab. Jeder Schritt, der erreicht werden kann, bedeutet zudem eine deutliche Erleichterung für die Pflegepersonen.



Kontinenz fördern - für Körper und Seele sorgen


Auch wenn mit der dementen Person die vollständige Kontinenz nicht immer erreicht werden kann, sollten Sie dieses Ziel immer verfolgen. Dafür sollten Sie der dementen Person ein Gefühl der Sicherheit vermitteln und selbstverständlich mit dem Thema Toilettengang, Harn- und Stuhlausscheidung umgehen. Ganz besonders wichtig ist eine stoische Regelmäßigkeit in allen täglichen Handlungen und besonders in den Toilettenzeiten. In Verbindung mit der Körperpflege können Sie die demente Person durch liebevolle Zuwendung und durch Hautkontakt mit ihren körperlichen Bedürfnissen in Verbindung bringen. Dafür können Sie die Hilfe auf der Toilette ganz bewusst einsetzen und sie mit einem guten Duft, einer schönen Creme und einer angenehmen Stimmung verbinden.


Achtung: Gut gemeinte Vorsorge mit Inkontinenz- Vorlagen sind nicht jederzeit hilfreich, sie können geradezu dazu ermuntern, inkontinent zu werden.



Ursachen ermitteln - körperliche Untersuchungen in Maßen


Ein Facharztbesuch wird immer die erste und wichtigste Maßnahme sein, die bei beginnender Inkontinenz angezeigt ist, ebenso wie die regelmäßigen Kontrolluntersuchungen. Selbstverständlich ist vor allem bei der Wahl von invasiven Diagnoseverfahren genau zu hinterfragen, welche Ergebnisse erzielt werden und welche Verbesserung der Lebensqualität für die Person erreicht werden kann. Hier gilt es abzuwägen, welche Untersuchungen und therapeutischen Maßnahmen dem Erkrankten zuzumuten sind. Dennoch sollte der Wert der ärztlichen Untersuchungen nicht unterschätzt werden, und die präzisen therapeutischen Möglichkeiten voll ausgeschöpft werden.



Medikamentennebenwirkungen - erste Frage an den Arzt


Nebenwirkungen von Medikamenten sind eine häufige Ursache für Inkontinenz. Dies gilt nicht nur für verwirrte Personen. Leider werden verwirrte, demente Menschen allerdings viel schneller und unbedarfter mit Medikamenten versorgt, ohne die Nebenwirkungen zu kontrollieren. Es gelten die gleichen Richtlinien wie für den geistig klaren Patienten. Wenn ein Patient harn- oder stuhlinkontinent wird, muss dringend die Medikation in Frage gestellt werden. Oft können Medikamente weg gelassen werden. Harninkontinenz durch Medikamente ist ein wichtiger Grund, die medikamentöse Therapie neu zu planen. Dabei müssen die Nebenwirkungen durch den Wirkstoff ebenso berücksichtigt werden, wie die Begleiterscheinungen der verordneten Medikamente. Sehr häufig wird eine demente Person z.B. allein durch Medikamente benommen, müde und dadurch nicht nur inkontinent sondern auch sturzgefährdet und immobil. Sie ist dann oft einfach nicht mehr zu motivieren, selbstständig zur Toilette zu gehen.

Tipp: Folgende Medikamente können Inkontinenz verursachen. Mittel gegen/bei

Asthma, Allergien ( Anticholinergika, Antihistaminika, Beta-Sympathomimetika)
Antidepressiva, Schlafstörungen (Benzodiazepine, Tetra- und Trizyklische Antidepressiva)
Schmerzmittel
Demenz und neuromuskuläre Erkrankungen (Cholinergika und Cholinersterase Hemmer)
Herz und Blutdruck (Diuretika, Betablocker Digitaliswirkstoffe, ACE Hemmer)
Medikamente die die Durchblutung fördern (Prostaglandin E1 und E2)
Muskelrelaxantien,
Mittel die die Ausscheidung fördern (Diuretika) 
Mittel gegen Schwindel, Erbrechen, Übelkeit (Antiemetika)
Epilepsimittel (Phenytoin)
Prostatamittel (gegen die Vergrößerung der Prostata)

  • Tipp: Lassen Sie überprüfen, ob die Medikamente den Patienten zu stark beruhigen und dadurch seine Inkontinenz bedingt wird.
  • Tipp: Nehmen Sie die Medikamente oder Verpackungen zum Arztbesuch immer mit. Mit der Verpackung in der Hand können Sie mit dem Arzt jedes einzelne Medikament und seine möglichen Nebenwirkungen besser besprechen.



Seelische Ursachen einer Inkontinenz


Inkontinenz muss nicht immer eine körperliche Ursache haben. Es kann den Wunsch nach Beachtung und Aufmerksamkeit widerspiegeln oder als Signal für ungewünschte Veränderungen, Ängstlichkeit, Stress oder Schmerzen dienen. Manchmal versuchen Kranke auf diesem Weg auch, Konflikte mit der Umwelt auszutragen. Nicht zuletzt kann eine Inkontinenz auch Ausdruck einer Depression sein: Depressive leiden oft unter einer Antriebshemmung, die den Gang zur Toilette erschwert.



Verwirrtheit als Ursache - Mobilität und sichere Orientierung


Orientierungsschwäche ist eine häufige Mitursache für Inkontinenz. Manchmal findet der Betroffene die Türe für die Toilette nicht oder er kann seine Kleidung nicht mehr schnell und einfach genug selbstständig ausziehen.

  • Tipp: Sorgen Sie für eine Verbesserung der Mobilität. Dazu gehören Fitnesssteigerung aber auch die sichere Orientierung durch gute Seh- und Hörhilfen. Weitere sinnvolle Hilfen sind leicht zu öffnende Kleidungsstücke sowie deutlich ausgezeichnete, gut beleuchtete und behindertengerecht gestaltete Toiletten mit Haltegriffen, erhöhten Toilettensitzen und gut bezeichneten Toilettenräumen.



Tägliches Training - Wiedererkennen und Regelmäßigkeit


Inkontinenz kann selbstverständlich in ein tägliches Training miteinbezogen werden. So können Sie den Kranken bei einem Realitäts-Orientierungs-Training in regelmäßigen Abständen prophylaktisch zur Toilette begleiten und ihm zeigen, wie er den Ort sicher finden kann. Deutliche Symbole an der Türe oder andere Wiedererkennungsmöglichkeiten können Sie mit dem Patienten zusammen erarbeiten. Sinnvoll ist auch ein regelmäßiges Toilettentraining, das allerdings von der Betreuungsperson überwacht und angestoßen werden muss.



Harndrang erkennen - Signale verstehen


Hinter der Unruhe eines Demenz-Kranken kann sich eine Bitte um Hilfe verbergen. Diese Zeichen können auf viele Bedürfnisse hinweisen, häufig aber auch auf Harn- oder Stuhldrang. Achten Sie auf Signale des Kranken, mit denen er sein Bedürfnis ankündigt (z.B. Unruhe, Nesteln an der Kleidung, bestimmte Redewendungen). Routinen erleichtern die Blasenkontrolle und ersparen der dementen Person unnötige Irritationen. Verbinden Sie Toilettengänge möglichst mit gleich bleibenden Ereignissen (zum Beispiel den Mahlzeiten). Führen Sie über die Ausscheidungen des Kranken vorübergehend Buch. Mitunter lassen sich so "Regelmäßigkeiten" erkennen. Nässt der Kranke beispielsweise immer eine halbe Stunde nach Einnahme eines Getränks ein, können Sie ein solches "Malheur" verhindern, indem Sie ihn kurz zuvor zur Toilette führen.

Kommentare

Name *
E-Mail (für Bestätigungen & Antworten)
URL
Code   
ChronoComments by Joomla Professional Solutions
Kommentar abschicken