Nächtliches Einnässen beim Kind - Diese Therapien versprechen Hilfe Drucken E-Mail
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Geschrieben von: W.Juengst   
Dienstag, den 10. November 2009 um 09:28 Uhr

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Kinder brauchen Verständnis und Unterstützung


Viele Eltern schämen sich, wenn ihre Kinder noch mit fortschreitendem Alter ins Bett oder in die Hose machen.

Doch betroffene Kinder leiden häufig sogar noch mehr: Sie beginnen an sich selbst zu zweifeln, fürchten sich vor den Hänseleien ihrer Schulkameraden und vor der Schelte der Eltern. Dabei sollten gerade die Eltern dem Einnässen mit Verständnis begegnen und das Problem gemeinsam mit ihren Kindern angehen. Denn oftmals helfen schon ganz einfache Methoden, um die Problematik in den Griff zu bekommen.



Enuresis - Häufig falsche Trinkgewohnheiten verantwortlich


Machen Kinder regelmäßig ins Bett, kann das mit ihren Trinkgewohnheiten zusammenhängen: Viele Kinder trinken während des Vor- und Nachmittags zu wenig und nehmen stattdessen ihre Haupttrinkmenge im Laufe der frühen Abendstunden zu sich. Durch dieses Verhalten erhöht sich wesentlich das Risiko, dass Kinder nachts einnässen. Besser ist es dagegen, wenn Kinder bereits am Vor- und Nachmittag rund 80 % ihrer täglichen Trinkmenge zu sich nehmen. Eltern sollten demzufolge darauf achten, dass ihre Kinder während des Tages genug trinken. Oft ist es zusätzlich sinnvoll, das Kind regelmäßig an den Gang zur Toilette zu erinnern, spätestens wenn die Eltern wahrnehmen, dass das Kind unruhig wird oder auffällige Bewegungen machen.

 

Blasenkapazität zu gering - Nachtschlaf zu tief


Wenn Kinder auch noch ins Bett machen, wenn sie das Alter von 5 Jahren überschritten haben, liegt dies häufig zusätzlich an einer zu geringen Blasenkapazität oder einem zu tiefen Nachtschlaf.  



Weckgeräte können helfen


Parallel zu einer Veränderung der Trinkgewohnheiten kann auch der Einsatz von Weckgeräten zu einer Lösung des Problems nächtlichen Einnässens beitragen. Ein solcher Weckapparat funktioniert dabei nach einem ganz einfachen Prinzip: Er ist mit einem integrierten Messfühler ausgestattet, der - ähnlich wie ein Wecker - ein Alarmsignal abgibt, sobald er mit Flüssigkeit (Urin) in Kontakt kommt. Durch dieses simple Verfahren wird das Kind während des Einnässens geweckt und so der Miktionsreflex unterbrochen. Gleichzeitig entwickeln einige Kinder durch den Einsatz von Weckgeräten mit der Zeit die Gewohnheit, nachts automatisch aufzuwachen, um Wasser zu lassen.



Auch Windeln ein probates Mittel


Neben dem Einsatz von Weckgeräten, können auch Windeln ein probates Mittel sein, um zumindest die auffälligsten Auswirkungen des Bettnässens (nasses Bettzeug, nasser Schlafanzug) abzumildern. Viele Kinder stehen zwar dem Tragen von Windeln anfangs eher kritisch gegenüber, doch nachdem sie diese ein paar mal getragen haben, erkennen sie doch häufig sehr schnell die Vorzüge dieser Maßnahme. Wichtig ist nur, dass der geplante Einsatz von Windeln vorher mit dem Kind ausführlich besprochen wird, damit das Tragen von Windeln nicht noch als zusätzliche Strafe oder Demütigung empfunden wird.



Einfache Wege: Motivation ist das Zauberwort


Von Enuresis betroffene Kinder benötigen nicht nur positive Unterstützung von Seiten ihrer Eltern, sie können auch selbst aktiv werden, um ihr Verhalten verändern zu können. So kann ein Kind beispielsweise damit beginnen einen Kalender zu führen, in dem es für jede Nacht mit Urinverlust eine Regenwolke und für jede trockene Nacht eine Sonne einträgt. Auch Belohnungen können sinnvoll sein: so können Eltern beispielsweise ihrem Kind nach mehreren trockenen Nächten ein Geschenk machen und so seinen Fortschritt honorieren. Auch Übungen zur Blasenkontrolle können von Enuresis betroffenen Kindern helfen. Einfache Übungen wie das bewusste Zurückhalten des Urins oder das willkürliche Unterbrechen des Harnstrahls verschaffen dem Kind ein besseres Bewusstsein über die Blasenkontrolle.



Medikamentöse Therapien: Oft das letzte Mittel


Viele Eltern fürchten sich davor, Ihren Kindern regelmäßig Tabletten oder andere Medikamente zu verabreichen. Haben jedoch sämtliche konventionelle Therapien zu keiner entscheidenden Besserung beigetragen, können auch Medikamente zu einer Lösung des Problems eingesetzt werden. So verspricht beispielsweise der Wirkstoff Desmopressin schnelle Abhilfe und wird mittlerweile von vielen Kinderärzten und Urologen gegen das Bettnässen verschrieben. Der Wirkstoff, der in der Regel in Form von Nasensprays oder Tabletten verabreicht wird, ähnelt stark dem körpereigenen Antidiuretischen Hormon (ADH), das beim Menschen die Urinproduktion während der Nacht reguliert. Durch den Einsatz von Desmopressin wird im Körper des Kindes die nächtliche ADH-Produktion angeregt, wodurch schon binnen weniger Wochen nasse Bettlaken der Vergangenheit angehören können.



Wirkstoff Propiverin kann Blasenaktivität positiv beeinflussen


Ist dagegen das nächtliche Einnässen des Kindes auf eine zu geringe Blasenkapazität zurückzuführen, können sogenannte Blasenspasmolytika zu einer Linderung beitragen. Wirkstoffe wie etwa Propiverin sorgen dafür, dass die Blase während der Nacht deutlich mehr Urin aufnehmen und speichern kann. Daneben ist der Wirkstoff gut verträglich und kann in Kombination mit einem Blasentraining die Symptome einer überaktiven Blase aufheben.


Beachten Sie bitte in diesem Zusammenhang, dass eine genaue Diagnose bzw. das Einleiten erfolgreicher Therapiemaßnahmen nur durch einen entsprechenden Facharzt vorgenommen werden kann!


Quellen:

1. Deutsche Inkontinenz Gesellschaft e.V., Band 8. Bamberger Gespräche 2004: Nykturie und Harninkontinenz.

2. Deutsche Inkontinenz Gesellschaft e.V., Broschüre: Einnässen beim Kind.


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