Wie kann eine Stuhlinkontinenz behandelt werden? Drucken E-Mail
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Geschrieben von: W.Juengst; Marie Hediger   
Donnerstag, den 16. Juni 2011 um 14:01 Uhr

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Stuhlinkontinenz - Welche Therapien kommen in Frage?


Für Patienten mit Problemen bei der Stuhlkontrolle gibt es eine Vielzahl von unterschiedlichen Behandlungsoptionen.

Die Behandlung einer Stuhlinkontinenz erfolgt dabei in erster Linie durch eine Therapie der zugrunde liegenden Grunderkrankung. Somit wird der behandelnde Arzt zunächst einmal versuchen, die vorliegende Grunderkrankung zu erfassen, um so entsprechende Therapiemaßnahmen einleiten zu können. Je nach Ursache der Stuhlinkontinenz kommen dann sowohl konservative als auch operative Therapiemethoden in Frage.


Konservative Behandlungsmethoden


Ballaststoffreiche und blähende Nahrungsmittel vermeiden


Bei leichteren und mittleren Formen der Stuhlinkontinenz wird der Patient zumeist konservativ behandelt. Hier verspricht schon eine Änderung der Ess- und Trinkgewohnheiten eine gewisse Abhilfe: So sollten Betroffene vor allem auf ballaststoffreiche und blähende Nahrungsmittel verzichten, da diese Nahrungsmittel zu einer erhöhten Stuhlfrequenz und auch zu einer Verminderung der Stuhlkonsistenz führen.



Alkohol, Nikotin und Koffein können Stuhlinkontinenz verschlimmern


Auch der Konsum von Bier und anderen alkoholischen Getränke kann sich ähnlich negativ auf die Stuhlfrequenz und -konsistenz auswirken und somit eine Stuhlinkontinenz weiter begünstigen. Ähnlich verhält es sich mit Koffein, welches vor allem in Kaffee oder Tee enthalten ist. Durch seine stimulierende Wirkung sorgt es im Darm dafür, dass dort der Kot wesentlich schneller transportiert wird, wodurch auch gleichzeitig die Aufnahme von Flüssigkeit im Darm verringert wird, was schließlich zu einem weicheren Stuhl bzw. zu Durchfällen führt. Zudem wird angenommen, dass sich auch Rauchen ähnlich nachteilhaft auf die Verweildauer der Nahrung im Darm auswirkt.



Elektrostimulation und Biofeedback-Methode versprechen Besserung


Als konservative Behandlungsmethoden können bei einer Stuhlinkontinenz auch das Biofeedbacktraining und die Elektrostimulation zu einer deutlichen Besserung beitragen. Mit der Biofeedback-Methode können Betroffene mit Hilfe von optischen und akustischen Signalen ihren äußeren Schließmuskel trainieren und diesen so gezielt kräftigen. Auf einer ähnlichen Vorgehensweise beruht auch die Elektrostimulation: Allerdings wird hierbei - im Gegensatz zum Biofeedback - die Kontraktion des Schließmuskels nicht aktiv durch den Patienten ausgelöst, sondern mittels Elektroden hervorgerufen, die zu diesem Zweck im After platziert werden. Dort wird der innere Schließmuskel, der von den Betroffenen nicht mehr willkürlich kontrolliert werden kann, mit Hilfe von schwachen Reizströmen stimuliert und so trainiert.



Beckenboden- und Toilettentraining


Bei analer Inkontinenz ist auch eine Kräftigung der Beckenbodenmuskulatur sinnvoll. Hierzu eignet sich - ähnlich wie bei einer Harninkontinenz - ein gezieltes Beckenbodentraining an. Durch eine Straffung der Muskeln des Beckenbodens bietet es für die Betroffenen die Möglichkeit, den Stuhlabgang wesentlich besser kontrollieren zu können. Wichtig dabei ist, dass das Training nur bei regelmäßiger Anwendung und unter Anleitung von erfahrenen Therapeuten wirksam wird. Als weitere konservative Therapiemethode ist auch ein Toilettentraining sinnvoll: Das Toilettentraining bei einer Stuhlinkontinenz wird in den Grundzügen ähnlich durchgeführt wie bei einer Harninkontinenz. Der einzige Unterschied besteht darin, dass der Patient den Versuch zur Darmentleerung nur einmal am Tag und zwar immer zur selben Zeit durchführt. Zu Beginn kann die Stuhlentleerung mithilfe von Abführzäpfchen unterstützt werden, wobei die ersten Wochen Zäpfchen mit Bisacodyl verwendet werden und bei Erfolg auf Zäpfchen mit Glyzerin umgestiegen wird. Nach 2 bis 3 Wochen sollte der erste Auslassversuch ohne Abführzäpfchen durchgeführt werden, da sich bis dahin der Darm meistens an die Regelmäßigkeit der Stuhlentleerung gewöhnt hat. Hilfreich ist auch hier das Führen eines Stuhltagebuches, das ähnlich wie das Miktionsprotokoll geführt wird.



Auch Medikamente können die Kontinenz verbessern


Auch durch bestimmte Medikamente kann die Konsistenz des Stuhls so beeinflusst werden, dass nicht mit unerwarteten Stuhlabgängen gerechnet werden muss. Zu diesem Zweck gibt man z. B. Abführmittel in Form von Zäpfchen oder Klistieren, um den Darm zu einer bestimmten Zeit zu entleeren. Mit Ballaststoffen wie z. B. indische Flohsamen und Medikamenten, die auch eine nachhaltige Wirkung auf die Darmmotorik haben, wie z. B. auch Loperamid, kann zusätzlich die Kontinenz verbessert werden.



Operative Behandlungsmethoden


Führen die angesprochenen konservativen Behandlungsverfahren zu keiner Verbesserung der Stuhlinkontinenz, kann in einigen Fällen eine Operation ratsam sein. Durch Operationen kann man beispielsweise Tumore abtragen, ein künstlicher Schließmuskel eingesetzt werden oder der Beckenboden gestrafft werden. In diesem Zusammenhang stellt die "Sakrale Nervenstimulation" eine neuere Methode dar. Das Verfahren basiert auf dem Grundprinzip eines Herzschrittmachers und wurde zunächst von Urologen als Therapiemethode bei Patienten mit Harninkontinenz angewendet. Bei diesem Verfahren wird durch spezielle Elektroden in Verbindung mit einem unter die Haut eingepflanzten Schrittmacheraggregat die nervale Endstrecke zum Schließmuskel stimuliert und damit wieder ein ausreichender Muskeltonus erreicht. Das Verfahren eignet sich besonders bei neurologisch bedingter Inkontinenz.

 

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