|
 Der Schlüssel zur Kontinenz
„Darmmanagement" ist der Schlüssel für die tagtägliche Unterstützung bei Stuhlinkontinenz.
Der Begriff umfasst die gesamten täglichen Rituale für einen gesunden Darm und gesunde Ausscheidungen. Darmmanagement betrifft folgende Fragen: Wie kann ich meinen Stuhlgang steuern, damit es nicht zu Stuhlinkontinenz kommt? Wie viel Zeit muss ich mir für meinen Toilettengang nehmen? Wie muss ich mich ernähren, um einen guten Stuhlgang zu haben? Was kann meine Stuhlentleerung fördern. Welche zusätzlichen Maßnahmen sind geeignet, einen regelmäßigen, befriedigenden Stuhlgang zu erzielen. Was benötigt mein Darm zur Gesundherhaltung?
Darmmanagement - Rituale für die Stuhlentleerung
Jeder Mensch hat ein kleines Ritual für sein „großes Geschäft". Der eine trinkt ein Glas Wasser am Morgen, für einen leichteren Stuhlgang, der Andere benötigt eine ruhige Zeit auf der Toilette. Wenn es zu Stuhlinkontinenz gekommen ist, macht es Sinn, diese Rituale neu zu planen und neue Gewohnheiten einzuüben. Denn Darm und Blasenentleerung reagieren sehr sensibel auf den Lebensrhythmus und können leicht auf einen neuen hilfreichen Rhythmus umgestimmt werden. Um Kontinenz zu erreichen oder einen unbeschwerten Alltag zu ermöglichen empfehlen Ärzte ein Toilettentraining. Das Toilettentraining bei einer Stuhlinkontinenz wird ähnlich durchgeführt wie bei einer Harninkontinenz. Der einzige Unterschied liegt darin, dass der Patient den Versuch zur Darmentleerung nur einmal am Tag und zwar immer zur selben Zeit durchführt.
Den Darm neu trainieren - Toilettentraining
Toilettentraining der Begriff klingt für viele Menschen nach Bevormundung und Erziehung. Sinnvoller ist es jedoch, ein Toilettentraining als „Gewohnheitstraining" aufzufassen, das neue Gewohnheiten einübt und den Körper darauf trainiert. Allerdings braucht ein solches Toilettentraining unter Umständen einige Monate Geduld, bis es zufriedenstellend funktioniert. Wie bei jedem Training, das einige Übung erfordert, sollte man daher nicht zu früh die Flinte ins Korn werfen. Nehmen Sie die Hilfe eines Arztes in Anspruch oder planen Sie ihr Toilettentraining selbst, aber schriftlich. Wenn es gelingt einen neuen Rhythmus einzuüben, kann sich die Lebensqualität schnell verbessern, denn es kann bedeuten, 24 - 30 Stunden beschwerdefrei zu sein.
Stuhltagebuch - Beobachtung des Stuhlverhaltens
Vor dem Toilettentraining steht die Selbstbeobachtung. Die Beobachtung der eigenen Stuhlgewohnheiten gibt dem Arzt und Ihnen selbst wichtige Anhaltspunkte für das richtige Darmmanagement. Führen Sie dafür ein Stuhltagebuch, und vermerken Sie die Begleitumstände der Stuhlinkontinenz. Nehemen Sie den eigenen Körper intensiver wahr und notieren Sie die Veränderungen. Ein Stuhltagebuch ist besonder wichtig, wenn Sie einen Angehörigen betreuen, der an Stuhlinkontinenz leidet. Lesen Sie dazu, wie Sie ein Stuhltagebuch auswerten können.
Was sonst noch wichtig ist
Wenn die Darmentleerung fest in den Tagesablauf integriert wird und in gewohnter Regelmäßigkeit erfolgt, wird der Körper diesen Rhythmus mit der Zeit ohne zusätzliche Hilfe fortführen. Bewegung, das richtige Trinken und eine gesunde Ernährung mit vielen Ballaststoffen tragen zusätzlich sehr dazu bei. Einige Grundregeln sollte jeder Mensch beachten: Es gilt, nie einen Stuhlgang zu erzwingen, daher: KEINE langen "Sitzungen", NICHT heftig Pressen.
Der Einlauf - Klistier mittels Irrigator
In der Naturheilkunde hat der Einlauf (Klistier, Klysma) einen festen Platz als Maßnahme zur Darmentleerung, Entgiftung, Darmreinigung und zur Förderung der Darmmotilität. Dabei wird der Enddarm täglich bzw. jeden zweiten Tag mit lauwarmem Wasser gespült und gereinigt. Hierfür wird ein Irrigator benutzt, ein Wasserbehälter mit einem Schlauch, der in den Enddarm eingeführt wird. So kann das Wasser sanft und ohne Druck in den Enddarm laufen. Naturheilärzte und Heilpraktiker verordnen Einläufe gegen Verstopfung und zur Darmreinigung. Der Zeitaufwand kann mit etwas Übung und den richtigen Hilfsmitteln deutlich verringert werden. Heute gibt es gute Irrigatoren, die die Handhabung erleichtern. Für die Irrigation sollten etwa 45 Minuten eingeplant werden und die Spülmenge auf diese Zeit abgestimmt werden.
Wohlbefinden und Lebensqualität
Der Einlauf sollte mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden. In der Regel gibt es keine medizinischen Vorbehalte. Ärzte begegnen dieser Methode jedoch unterschiedlich offen und haben oft selbst keine Erfahrungen damit gemacht. Mit etwas Gewöhnung erweist sich der Einlauf als eine einfache und entspannende Methode. Er kann zusätzlich sehr zum Wohlsein beitragen. Blähungen, Winde und unangenehme Darmgeräusche können deutlich vermindert oder ganz verhindert werden. Der Erfolg bei dieser Methode ist sehr hoch und die Lebensqualität von Betroffenen erhöht sich deutlich.
Darmmanagement durch Abführen mittels Abführtabeltte
Manche Ärzte empfehlen anstatt dessen das Abführen mittels einer Abführtablette. Abführmitteln dagegen erbringen nicht den gleichen Freiheitsgrad für den Betroffenen, weil die Entleerung des Darms nicht direkt auf die Einnahme der Abführmittel folgt. Abführmittel sind nicht geeignet einen regelmäßigen Stuhlgang zu fördern oder die Darmentleerungen in den Tagesablauf einzuplanen.
Verstopfung ärztlich behandeln
Eine Verstopfung dagegen sollte ohne ärztlichen Rat nie über längere Zeit weder mit Einläufen oder Abführmitteln behandelt werden, denn sie kann auch Anzeichen einer ernsten Erkrankung sein. Wenn sich am Stuhlgang etwas ändert, lautet eine dringende Empfehlung: Gehen Sie zum Arzt! Dieser sollte dann Untersuchungen und eine entsprechende Therapie einleiten. Vor der Eigenbehandlung steht daher immer erst die Diagnose.
Essen und Trinken - Ballaststoffe
Stuhlinkontinenz kann häufig auch durch die Beeinflussung des Ballaststoffgehaltes in der Nahrung positiv beeinflusst werden. Machen Sie sich vertraut damit, wie Sie den Anteil an Ballaststoffe in Ihrer Nahrung erhöhen können, welche Nahrungsmittel ihnen gut tun oder welche Lebensmittel ihre Probleme erst verstärken. Das oben beschriebene „Stuhltagebuch" liefert wichtige Informationen für Ihr Ernährungsprogramm. Lassen Sie sich dafür möglichst von einem guten Ernährungsberater unterstützen. Schon nach 3 - 4 Wochen können Sie die Veränderungen einer optimalen Ernährung bemerken.
Regelmäßiges Beckenbodentraining gehört zum Darmmanagement
Die Therapie der Stuhlinkontinenz ist so vielfältig wie deren Ursachen. Basis jeglicher Inkontinenztherapie - gleich ob Harn- oder Stuhlinkontinenz - ist das gezielte, konsequente Beckenbodentraining. Für Patienten, die kaum ein Gespür für ihren Beckenboden haben, können dabei Rückmeldungen durch sogenannte Biofeedback-Verfahren sehr hilfreich sein und das Training oftmals erst möglich machen. Sehr schwache Muskeln können durch Elektrostimulation gekräftigt werden.
Darmmanagement ersetzt den Arztbesuch nicht
Für Betroffene mit Stuhlinkontinenz liegt in einem gut abgestimmten Darmmanagement die größte Chance ein unbeschwertes Leben zu führen. Allerdings sollte auch davor gewarnt werden, ein Darmmanagement als Ersatz für den Arztbesuch anzusehen. Diagnose und Therapie sind unbedingt notwendig, um Verschlimmerungen vorzubeugen. Der Arzt sollte zudem auch in die Planung eines geeigneten Darmmanagements mit einbezogen werden, so kann er seine Therapie auch darauf abstimmen.
Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:
Der Einlauf - Entspannung und Wohlbefinden
Stuhltagebuch und Darmmanagement
|
Kommentare